regel des Klassizismus, also des Erbes der Renaissancekultur.Das letzte Ziel meiner Darstellung der deutschen Sprachgeschichteist aber, diesen großen Befreiungsakt des „emergierenden Deutsch-tums", der Wiedergeburt nationaler Sprachkräfte, hell zu be-leuchten und in seiner geschichtlichen Bedeutung wie in seinemFortwirken zu würdigen.
Es gibt meines Erachtens einen lehrreichen Aufschluß überdie gegenwärtige Wissenschaftsgeschichte, wenn man verfolgt,wie das fortlebende Bild jahrzehntelanger Forschungsleistungenheute weniger durch zusammenhängendes Lesen der sie darlegendenund begründenden Originalschriften entsteht als durch Additionder Urteilsformeln in den darüber erschienenen Rezensionen.So wundert man sich nicht mehr über jene komprimierte Ver-bindung des Bedenkens von Voßler und des Tadels von Körnerzu einem verdammenden Urteil bei Sigmund von Lempicki,und auch nicht über die einmütig von Brandi und Joachimsengeäußerte irrige Meinung, ich hätte erst seit meiner Akademie-abhandlung von 1910 'Sinn und Ursprung der Worte Renaissanceund Reformation' der Entstehung der Renaissance nachgeforscht.
Schließlich sei hier wenigstens erwähnt, daß der Ausdruck„Forschungen zur Geschichte der deutschen Bildung" vonOtto Bebaghel ohne Nennung meines Namens, aber mit deut-licher Beziehung auf mein oft begründetes wissenschaftlichesProgramm, Sprachgeschichte sei Bildungsgeschichte, bekämpftwird im Vorwort zur fünften Auflage seiner 'Geschichte derdeutschen Sprache'. Er hält demgegenüber an der Auffassungfest, daß die Sprachgeschichte nur Vorgänge naturwüchsiger Artumfasse. Seinem Widerspruch liegt, scheint mir, ein Mißver-ständnis des freilich unzulänglichen Ausdrucks 'Bildung' zu-grunde. Er sucht darin lediglich die Einwirkung von Schuleund Erziehung, also völlig bewußte Vorgänge. Ich will hingegenmit dem Wort 'Bildung' nur diejenige Sphäre bezeichnen, in derauch die Wandlungen und Siege der Mode und der Sitte sichabspielen. Sprachgeschichte ist Bildungsgeschichte soll heißen:in der Sprachgeschichte waltet überall ein soziologischer Faktor,
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