flüsse des böhmischen Vorhumanismus auf Schlesien und Meißenwie auf Südwestdeutschland vorführt (vgl. oben S. 25). Natürlichist die Frage damit noch nicht endgültig geklärt. Stadelmannhätte sich gegenwärtig halten sollen die geradezu ungeheuere, langedauernde handschriftliche Verbreitung der deutschen Erbau-ungsschriften Johanns von Neumarkt im ganzen deutschenSprachgebiet (s. oben S. 23 f.). Deren großen Einfluß auf das lite-rarische Leben Nürnbergs um und nach 1400 hat unabhängig vonmir auch Friedrich Wilhelm (Deutsche Legenden und Legen-dare, Leipzig, J. C. Hinrichs 1907, S. 175 ff., 2iif.) mit Rechthervorgehoben und neu beleuchtet. Stadelmann hätte ferner undganz besonders die volle Bedeutung des Umstands in Anschlagbringen müssen, daß das Saazer von vorreformatorischem undhumanistischem Geist erfüllte Werk fast nur in südwestdeutschenHandschriften auf uns gekommen und nachweisbar in den südwest-deutschen humanistischen oder dem Humanismus freundlichenKreisen viel gelesen worden ist (vgl. oben S. 24). Bei Erwägungdieser Tatsachen würde Stadelmann wohl zurückhaltender geurteilthaben. Aber leider läßt er die sprachgeschichtliche und stil-geschichtliche Seite des ganzen Problems unberücksichtigt:im Einklang wohl mit dem noch immer nicht überwundenenGrundsatz vieler deutscher Historiker: „Philologisches, nament-lich aber Germanistisches wird nicht gelesen." Und doch offenbartsich die nationale Zeitenwende für Deutschland in nichts sostark und deutlich als in dem Aufkommen und Umsichgreifeneiner rhetorisch behandelten deutschen Prosa als literarischer Formmit künstlerischem Anspruch wie als Trägerin geschäftlichen Ver-kehrs und in ihrem siegreichen Vordringen gegenüber dem Latein.Dies alles aber fällt in das vierzehnte Jahrhundert und schafftdamals einen Humanismus von nationaler Prägung, dem dannerst im fünfzehnten Jahrhundert der unfrei latinisierende Huma-nismus folgte.
Dem „Zerbrechen der kirchlichen Einheitskultur", das angeblichdie Renaissance zuerst geschaffen haben soll, kommt das vonStadelmann konstruierte „Sentiment des fünfzehnten Jahrhunderts",
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