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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
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die Zersetzung" und das in derpsychologisch-ästhetischen Auf-lösung (im wörtlichsten Sinn) der sakral und konventional [so !]gebundenen Hoheit liegende irreligiöse Element" (S. 27, 28), wiemir scheint, recht nahe.

Dabei gesteht Stadelmann selbst (S. 27) dem fünfzehnten Jahr-hundertErscheinungen, Auffassungsweisen und Menschen" zu,die durchaus nach vorwärts weisen", sieht in dem von ihm be-hauptetenVerfall" einem Begriff, der durch WilhelmScherers und Alois Riegls epochemachende Forschung zumanrüchigen Ladenhüter degradiert ist-in erster Linie Umschich-tung, Auflockerung, bestimmte Nuancen und Tönungen desEmpfindens, das Aufbrechen gewisser Reize und Denkformen undImpulse, die bisher aus dem Instinkt des Selbstschutzes heraus ge-mieden und verboten worden sind, denen aber nicht selten eineeigentümliche Kraft innewohnt" (S. 28f.). Sind damit nicht imGrunde Keime der Renaissance bezeichnet ?

Die entscheidenden Mächte der modernen Epoche nannte ichvorher 'Renaissance' und 'Reformation'. Aber beide Wortehaben wie auch das W ort 'Humanismus' eine unendlich schillerndeBedeutung. Wer insbesondere die Reformation definiert als diemit Luthers Thesenanschlag beginnende und in seiner Kirchen-und Dogmengestaltung beschlossene religiöse Bewegung, steht aufeinem Standpunkt, zu dem von dem meinigen keinerlei Brückeführt (vgl. mein 'Vorspiel' I, 2, S. 275 ff., 278ff. und das Registers. v. Luther). Wenn man aber das Wort in dieser Abgrenzungverwendet, sollte das dann auch deutlich ausgesprochen werden.Zugrunde liegt diese Abgrenzung uneingestanden der hergebrachten,mumifizierten Periodeneinteilung und allen Gruppierungen, Deu-tungen und Konstruktionen, die sie stützen. Luther soll um jedenPreis, so will es die unbewußt konfessionell gebundene Schul-meinung einer großen Zahl deutscher Historiker, das vom Himmelgefallene Götterbild bleiben ohne Vorbereitung. Dieser Tendenzkann sich freilich eine wirklich geschichtliche Forschung, die auchgeistige Vorgänge aus ihrem genetischen Zusammenhang verstehenwill, nicht gefesselt ausliefern, sondern wird die Grundlagen der

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