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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
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Das eine Beispiel mag als exegetische Probe genügen. SeinVerfahren steht leider nicht allein. Die junge Generation hates fast verlernt, sorgsam sich um ein genaues Einzelverständnisder literarischen Quellen zu bemühen. Man zieht es vormehr oder weniger unter Duldung seitens der Universitäts-lehrer, die hier vielmehr endlich die Zuchtrute schwingen sollten Weltanschauungstempel auf 'strukturpsychologischem' Sandezu bauen.

Stadelmanns strukturpsychologisches Verfahren offenbart ihrenschlimmsten Fehlgriff in der Beurteilung der giftigen Äußerungdes Todes, daßdas leben ist durch Sterbens willen geschaffen"(Kap. 22). Daraus zieht Stadelmann ohne Bedenken den Schluß:Die Dichtung will Dissonanz sein" (S. 24). Aber nicht dieDichtung, richtiger nicht der Dichter, redet so. Der Todsagt im Streitgespräch mit dem anklagenden Witwer jene Worte.Es sind fast dieselben, die Goethe seinen Mephisto reden läßt:Denn alles was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht."Stadelmann braucht seine Gleichsetzung der Ansicht des Todesmit der des verwitweten Dichters natürlich, um daraus dieSkepsis" und denheroischen Pessimismus" seines Werkszu erweisen und dieses als bedeutendsten Zeugen für dasSenti-ment des fünfzehnten Jahrhunderts" ins Feld zu führen, ob-gleich doch die Ackermanndichtung aus der Schule Johannsvon Neumarkt eine Frucht des vierzehnten Jahrhunderts istund ihr Verfasser in diesem seine Ausbildung empfangen hatte.Mit demselben Recht und mit derselben Methode könnte manohne Mühe Mephistos Wesen und Reden zum Ausdruck derGeistesart Goethes stempeln und dann als dasSentiment"seiner FausttragödieSkepsis" und denheroischen Pessimismus"erspüren !

Da hat ein anderer Vertreter der jungen Generation, Walt herRehm, doch tiefere Einsicht bewiesen in seiner wohldurchdachtenAbhandlungZur Gestaltung des Todesgedankens bei Petrarcaund Johann von Saaz" (Deutsche Vierteljahrsschrift für Literatur-wissenschaft, 5. Bd. 1927, S. 430455). Er erkennt, im Gegensatz

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