gedrängt hat, wäre auch dies ihm wohl nicht unmöglich. Ich willhier sogar einen Trick verraten, der ihm dabei helfen könnte.Die Berechtigung des Menschen, Tiere zu jagen und zu töten, wirdvon der christlichen Moralphilosophie häufig aus der biblischenSchöpfungsgeschichte begründet. Aber die Vorstellung, daß derMensch sozusagen ein — allerdings nur halber — Verbündeterdes Todes sei durch sein Recht auf Mord an Tieren, paßt eher indas landläufige falsche Bild des sogenannten 'Renaissance-menschen' mit seiner wilden Macht- und Blutgier als dn dieWeltanschauung des Zeitalters der Mystik, der religiösen Friedens-bewegungen, der Erstarkung innerlicher Frömmigkeit, des Rufsnach Rückkehr zur Einfalt und Reinheit der primitiven Zeit, zurWiedergeburt des Menschen und der Gesellschaft, zur Refor-mation der Kirche. Auch denkt die Anklage des Ackermannswider den Tod im wesentlichen nur an die Tötung der geliebtenGattin, nur an den Menschenmörder Tod. Der hier von mir an-gedeutete Gedanke fiele aus dieser Grundvoraussetzung heraus.Überhaupt beruht die ganze dichterische Konzeption des Acker-mann-Dialogs auf dem dramatisierten strengen Dualismuszwischen Mensch und Tod. Erst Gottes Urteil berichtigtdiesen Dualismus und lenkt zur christlichen monistischen Vor-stellung zurück, der Gott allein einziger Herr ist über Leben undTod, und diese Vorstellung klingt fort, wenn auch mit einer freien,nicht streng kirchlichen Frömmigkeit im Schlußgebet des KlägersAckermann.
Vor allem, der sonstige Sprachgebrauch des Dialogs ver-bietet Stadelmanns Auslegung. Mein Kommentar, den Stadel-mann, obgleich er ihn wiederholt nennt, nicht sehr gründlich an-gesehen haben kann, hatte die übrigens für jeden, der einigermaßendie Fähigkeit der Interpretation besitzt, selbstverständliche Er-klärung eingehend begründet, daß der Tod hier wie auch bei seinerersten Vorstellung dem Ackermann gegenüber nach der Weisedes Urkundenstils sich mit dem Pluralis maiestatis bezeichnet, d. h.als souveränen Herrscher, und daß er deshalb von Gott im Schluß-urteil zurechtgewiesen wird.