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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
Seite
32
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ohne alle Bedenken mit den für ihn maßgebenden Autoritätenan der alten Periodeneinteilung festhält und die entscheidendeGrenze zwischen Mittelalter und Moderne in die Zeit um 1500verlegt" (S. 5), verdiente um der in ihm aufgewendeten Gedanken-arbeit willen Schritt für Schritt und bis in das einzelne nachgeprüftzu werden. Das muß ich mir hier versagen und kann nur aufArthur Hübners, allerdings überaus milde, Anzeige verweisen(Deutsche Literaturzeitung 1930, 11. Januar, Sp. 5460), worindie quellenwidrige Willkür dieser Weltanschauungsstudie durcheinige Beispiele aufgedeckt wird.

Wie eigenmächtig der Verfasser den klaren Sinn der Quellenumbiegt, damit er die von ihm dem Zeitalter aufgezwungene,Skepsis, Resignation, Pessimismus" vereinendeWeltanschau-ung" daraus ablesen kann, zeigt seine bereits von Hübner ge-tadelte Deutung einer Hauptstelle im Streitgespräch 'Der Acker-mann aus Böhmen'. Der Tod rühmt seine Macht gegenüber demKläger Ackermann mit den Worten (Kapitel 8):

Des himels throne den guten geisten, der helle grüntden bösen: irdische lant hat got vns zu erbeteile gegeben.Dem himel fride vnd Ion nach tugenden, der helle pein vnd strafunge nach Sunden:der erden kloß vnd meres stram mit aller irer behaltunge hat vns der mechtig allerWerlte herzöge befohlen den Worten das wir alle vberflussigkeit ausreuten vndausjeten sullen."

Stadelmann zitiert nur den ersten (von mir gesperrten) Satz undbehauptet (S. 25):'uns': das ist dem Tod und seinem vergäng-lichen Doppelgänger, dem Menschen". Er hat offenbar nichtweitergelesen. Soll etwa auch mit dem im nächsten Satz folgendenvns und wir der Tod sich und den Menschen bezeichnen ? Dannhätte also auch der Mensch von Gott den Auftrag empfangen,alle Überflüssigkeit auszuroden und auszujäten". Vielleicht ver-mag Stadelmann mit einem geistreichen Kunstgriff den Menschenauch in diesem Lichte zu zeigen. Nachdem Stadelmann dem SaazerDichter vom Jahr 1400 den - der Romantik des neunzehntenJahrhunderts gemäßen psychopathischen Gedanken, daß derMenschder vergängliche ( !) Doppelgänger des Todes" sei, auf-