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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
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möglichst griechischer Abstammung oder wenigstens mit grie-chischer Endung geschaffen haben. Aber leider gibt es unzähligeunentbehrliche abstrakte Hilfsbegriffe bescheidener Art, die festeingebürgert sind, tausendfach gebraucht werden, trotzdem jedochdas Stigma der Vieldeutigkeit tragen und fortwährend Mißver-ständnisse oder Streit hervorrufen. Schon der Titel meines Werkshat mir diese Erfahrung bestätigt. Nicht weniger als drei Sub-stantive sind darin angefochten worden, weil man sie andersversteht als ich.

Man hat und zwar wiederholt mir vorgehalten (z. B. ein sobeachtenswerter Kritiker wie Günther Müller, LiterarischerHandweiser 1926/27, S. 523), 'Vom Mittelalter zur Reformation'sei logisch und sprachlich schief, weil darin ein reiner Zeitbegriffverkoppelt werde mit der Bezeichnung eines geschichtlichenKulturereignisses. Das habe ich mir natürlich bei der Überlegungdes Titels auch selbst gesagt. Ich hätte leicht 'Reformationszeit'statt 'Reformation' setzen können. Wäre es mir lediglich daraufangekommen, auszudrücken, daß eine bestimmte Zeitperiode inmeinem Werk behandelt wird, so hätte der Titel jedoch bessereinfach lauten können: 'Von 1350 bis 1450'. Aber mir lag daran,schon im Titel faßbar zu machen, daß ich die Umwandlung desgeistigen Inhalts einer Epoche in den andersgearteten geistigenInhalt der darauffolgenden Epoche, also einen chronologischbezeichneten bildungsgeschichtlichen Werdeprozeß darzustellenversuche. Dabei habe ich freilich das Wort 'Mittelalter' nichtrein zeitlich, sondern zugleich als Ausdruck einer einheitlichennationalen Bildungsstufe verstanden. Und zugleich verstehe ichunter 'Mittelalter' nicht mit der äußerlichen und rohen Schul-terminologie, die ihre Sinnlosigkeit hinter einem kindlichenSchwanken zwischen mindestens vier heterogenen Datierungenversteckt, die Periode der deutschen Kultur, die mit der Ent-deckung Amerikas (1492) oder mit der Eroberung Konstantinopelsdurch die Osmanen (1453) oder mit der Erfindung des Buch-drucks (um 1450) oder mit dem reformatorischen AuftretenLuthers (1517) endet. Diese Gliederung hält unbegreiflicherweise

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