vorbei. In viel höherem Grade besteht diese Gefahr bei derwissenschaftlichen Diskussion. Zumal in Deutschland leidet ihreFruchtbarkeit an dem Unvermögen, den Worten des Partners denihnen von ihm beigelegten Sinn abzuhören. Die Hemmungender gegenseitigen Verständigung wachsen ins Unüberwindliche,wo die fatalen, abstrakten Hilfsbegriffe, die terminolo-gischen Schlagworte im Spiel sind. Mit Vergnügen liest mandaher soeben in einer kurzen Äußerung Hans Naumanns(Deutsche Vierteljahrs schrift für Literaturwissenschaft 1930,VIII 80), die freilich meines Erachtens nur ein mißglücktesRückzugsgefecht beim Verlassen einer unhaltbaren Positionliefert — es handelt sich um seinen Sturm gegen den Begriff'Spielmannsdichtung' — eine Warnung vor 'Etikettierungen' und'Formeln'. Naumann beruft sich dabei auf das mir leider nur ausPetersens Anzeige (Deutsche Literaturzeitung 1930, 4. Januar,Sp. 20—23) bekannte Gespräch von Franz Schultz, 'DasSchicksal der deutschen Literaturgeschichte' (Frankfurt a. M.,Diesterweg 1929). Und auch in Gumbels oben erwähntem Buchüber die deutsche Prosa des sechzehnten Jahrhunderts hallt dieserKampfruf gegen die Herrschaft der 'Wortfetische' wider.
Allein leider muß ich zweifeln, ob diese drei FrankfurterStimmen zu der Hoffnung berechtigen, es werde aus dem Chaosdes babylonischen Turmbaus einer Methodologie der Literatur-wissenschaft und Literaturgeschichte bald schon wiederkehrendeBesonnenheit die beteiligten Bauleute auf die Erde zurückleiten,was ich in meiner Studie 'Moderner Geschichtssubjektivismusund die Berliner Geschichtswissenschaft' (Euphorion 1925 Band 26,S. 340), ohne freilich bei den Wolkenstürmern Gehör zu finden,gewünscht und für eine nicht allzuferne Zukunft prophezeit habe.Vorläufig wächst der scholastische Pilzwald neuer terminologischerWortungetüme noch von Tag zu Tag.
Überlassen wir dieses Dickicht den Liebhabern des philo-sophischen Fremdwörtersports, die ein Problem gelöst zuhaben oder seiner Lösung nahe gekommen zu sein sich einbilden,wenn sie dafür einen schwer verständlichen, vielsilbigen Ausdruck
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