retischen Glosse epistolographischen Inhalts, deren Terminologie,wie ich in umfassender, die Geschichte der antiken Rhetorikheranziehender Untersuchung nachweise, auf die im Mittelalterund auch weit in die Renaissance hinein höchst einflußreiche,künftig von der stilgeschichtlichen und rhythmologischenForschung noch mehr zu berücksichtigende anonyme Rhetorikdes Auetor ad Herennium zurückgeht. Die ganze Sammlungdiente dem Bedürfnis einer kleinen schlesischen Stadtkanzlei.Sie ist lehrreich für den Einfluß der Stilkunst Johannsvon Neumarkt: seine 'Summa cancellariae' ist hier in denlateinischen Fassungen mit weitgehenden wörthchen Entlehnungenbenutzt, und seine Regelung des rhythmischen Satzschlusseswird sowohl in den lateinischen wie in den deutschen Textenbefolgt. An der Abfassung hat als Sammler und Redaktor min-destens für einen Teil mitgewirkt der Prager Student Anshelmvon Frankenstein, der 1381 als Baccalarius, 1405 als Magisteran der Universität Prag nachweisbar ist und Ende 1409 oderspätestens April 1410 in Leipzig unter den Gründern der neuenUniversität als einer ihrer ersten Lehrer urkundlich erscheint.Die Sammlung dieser Musterbriefe, die uns außer in der schlesi-schen Handschrift auch in zwei anderen vorhegt, die nach derLausitz und Meißen gehören, zeigt durch ihren Inhalt wie durchdie Person des an ihr als Autor mitbeteiligten Anshelm von Franken-stein aufs schlagendste den von mir behaupteten Zug derschriftsprachlichen Bewegung von Böhmen überSchlesien nach Meißen.
Der sechste Band wird in zwei Teilen eine kritische Ausgabeder eben erwähnten deutschen Übersetzungen Johannsvon Neumarkt nebst den lateinischen Originalen, heraus-gegeben von Joseph Klapper enthalten. Der erste Teil (dieÜbersetzung des pseudo-Augustinischen ' Liber soliloquiorumanimae ad (leum ' unter dem Titel 'Buch der Liebkosung') ist imDruck nahezu abgeschlossen. Der zweite Teil ('Leben des heiligenHieronymus in Briefen des Eusebius, Cyrill, Augustin') wirdim August dieses Jahres in Druck gehen.
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