Stuben der Miniaturisten und Handschriftenhändler ausstrahlten,überall lange nachwirkend. Das Königreich Böhmen war dankder energischen und weisen Politik Karls IV. der erste innerlichkonsolidierte Großmachtstaat innerhalb des deutschenReichs, der den großartigen Plan einer politischen und wirtschaft-lichen Zentralisierung des gesamten deutschen Ostensund Nordostens von der Moldau zur Elbe und Ostsee eineZeitlang verwirklicht, eine Kulturgemeinschaft von Mähren bisDorpat und Riga hervorruft oder befestigt, auch nach seinemtragischen raschen Zerfall infolge der nationalen, religiösen,sozialen Wirren durch sein Beispiel als Vorbild fortwirkt unddie Tendenzen der brandenburgisch-preußischen Staats-bildung befruchtet.
Hier erhob sich als königliche Gründung die erste deutscheUniversität. Hier fand die Rezeption des römisch-kanonischenRechts und des römischen Zivilrechts früh eine Pflegestätte. Hiererschienen in der Person des abgedankten römischen TribunenCola di Rienzo und des Dichterhumanisten Petrarca Vertreterder neuen aus Italien vordringenden Renaissance zuerst aufdeutschem Boden und fanden hier am Hofe, namentlich in derKanzlei, Bewunderung. Hier schufen neben französischen Meisternder Malerei und Plastik auch italienische Künstler im neuen Stil.Hier wurde der lateinischen Kanzleiprosa durch den HofkanzlerJohann von Neumarkt, den Kenner und Leser Dantes, denVerehrer Rienzos und Petrarcas, mit denen er Briefe wechselte,in Anlehnung an die älteren Muster italischer Stilkunst, namentlichan die Dictamina des Petrus de Vinea und des am Anfangdes vierzehnten Jahrhunderts in Böhmen lebenden Heinrichvon Isernia eine in Wortfülle schwelgende, außerordentlichkunstvolle Ausdrucksweise zugeführt und dann auch in deutschenSchriftstücken der Kanzlei übernommen. Hier verdeutschteJohann von Neumarkt stark rhetorische lateinische Er-bauungsschriften italienischer Herkunft und augustinisierendenStils, die um ihrer an Luther gemahnenden, auch für uns nochbewundernswerten Sprachgewalt willen in einer fast unbegreiflich
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