herrscht. Schon im sechzehnten Jahrhundert aber hat die östlicheMitte und der Norden Deutschlands am staatlich-politischen,literarischen, wissenschaftlichen Leben einen so starken Anteil,daß er dem Einfluß der alten oberdeutschen und rheinischenStammsitze mittelalterlicher Bildung die Waage hält oder ihmüberlegen zu werden beginnt. Luthers Bibelverdeutschung undKirchenlied hat das literarisch-sprachliche Übergewicht des öst-lichen und nördlichen deutschen Kolonialgebiets gesteigert. Aberdas Vordringen der ostmitteldeutschen Sprachelemente hatteschon vor ihm begonnen. Er selbst hat bekannt und nach demBefund, den sprachgeschichtliche Untersuchung ergibt, unterliegtes keinem Zweifel, wird auch heute von keinem Urteilsfähigenbestritten, daß die Grundlage für Luthers Deutsch das längstbestehende, wenn auch noch fließende und mundartlich gestuftesogenannte 'gemeine (d. h. gemeinsame, allgemeine) Deutschdie ' lingua communis' gewesen ist, die er hauptsächlich aus derPrägung der kursächsichen Kanzleisprache sich zum Musternahm für den grammatischen Teil der Sprache und auch für ge-wisse stilistische Erscheinungen. Nun zeigt sich aber der Typusdieser ostmitteldeutschen Kunstsprache zuerst in der KanzleiKarls IV. und seiner Söhne.
Wie kommt das ? Ist das ein bloßer Zufall ? Mein Werk ant-wortet darauf mit einem Nein und sucht zu begründen, daß hierein geschichtlicher Kausalzusammenhang größten Umfangs undstärkster Wirkung waltet.
Der erste Band meines Akademiewerks, der als Buch 1893erschien, baldmöglichst aber von mir auf Grund meiner jahre-langen Vorarbeiten und der Ergebnisse der bereits veröffentlichtenfolgenden Bände in völliger Neugestaltung herausgegeben werdensoll, suchte in umfassender Forschung und Darstellung die um-wälzende eigenartige wissenschaftliche, literarische, künstlerische,aber auch staatsrechtliche, politische, verwaltungstechnische Kulturzu vergegenwärtigen, die im Königreich Böhmen unter Karl IV.zumal aus der Residenz Prag, von Universität, Kanzlei und Predigt-kanzeln, von den Werkstätten bildender Künstler, den Schreib-