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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
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haften Ersatz für das Studium des von ihr besprochenen Buchs.Deshalb möchte ich im Interesse des opferbringenden Verlags,des verehrten Jubilars, wie in meinem eigenen hier einige An-deutungen geben, um allerlei Vorurteile und Mißverständnisse,die sich an mein Unternehmen und seine Ausführung geknüpfthaben, zu berichtigen. Ich wiederhole dabei stellenweise einigeSätze aus dem umfassenden Rechenschaftsbericht im Vorwortzum Schluß teil meiner mit Paul Piur besorgten Ausgabe desBriefwechsels Cola di Rienzos (VomMittelalter zur Reformation II 5,Berlin 1929).

Vergleicht man die Bildung des deutschen Mittelalters mitder modernen Entwicklung unserer Nation, so ist augenscheinlichund steht unbestreitbar über allem Zweifel eine Tatsache fest:der Wechsel des Schauplatzes. Der Schwerpunkt unserermittelalterlichen Geisteskultur liegt im Südwesten, in Bayernund am Rhein. Das gilt für das politische, kirchliche, literarischeund künstlerische Leben. Der reinste und treueste Spiegel jedernationalen Kultur ist die Sprache: hier also die Kunstspracheder mittelhochdeutschen Poesie und die Predigtprosa großerKanzelredner wie Bertholds von Regensburg neben dem Lateindeutscher Theologen, Erbauungs- und Unterhaltungsschriftsteller,geistlicher Lyriker und vagierender Kleriker. Der Schwerpunktder modernen deutschen Bildung liegt seit dem siebzehnten undbis über die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts im östlichenMitteldeutschland und in Norddeutschland, während gleich-zeitig als neue politische Macht der brandenburgisch-preußischeStaat emporsteigt und die Grundlage für die spätere Neugründungder deutschen Reichseinheit vorbereitet. Unsere neuhochdeutscheSchrift- und Literatursprache, die Mittlerin alles geistigen Aus-drucks der Nation im staatlich-politischen, wissenschaftlichen,literarischen Leben hat wesentlich ostmitteldeutschen Cha-rakter. Sie trägt in der Hauptsache die Züge einer nicht in denStammlandschaften, sondern auf Kolonialboden entstandenenKunstsprache. Das ist eine allgemein anerkannte Tatsache,über die unter allen Germanisten volle Einmütigkeit

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