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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
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tem Maße angestellt. Das blieb den folgenden Generationen über-lassen. Er wäre der erste, ihre Leistungen anzuerkennen. Aberdie gegenwärtige offenbar vom konjunkturfindigen Kunst-handel angefeuerte Mode der Überschätzung des 'Barock', dieseltsame literarhistorische Auswirkung einer berechtigten kunst-geschichtlichen Reaktion gegen Burckhardts doktrinär klassi-zistische Verachtung Berninis und Tiepolos,, das Hinaufschraubender Talente eines Zesen, Harsdörffer, Gryphius, Hofmannswaldau,Lohenstein, über die doch das rechte Urteil längst von Goethegefällt war, zur Höhe des Genies und die irrige Ausdehnung desBarockstils selbst bis auf Klopstock, der ihn vielmehr als großerNeutöner des genialen Pietismus gerade überwunden hat durchRückkehr zum Natürlichen, zum stillen Gefühl der Seele, zu reli-giöser Tiefe und Einfalt, zu reinerer und innerlicherer Erfassungder Antike, dies alles würde in Scherer allerdings einen Gegnerfinden, und über den Mißbrauch, der jetzt mit den Schlagworten'Barockdichtung', 'Barockdrama', 'Barockmensch' getrieben wird,würde er ebenso lächeln, wie es Carl Neumann tut (s. meinenAufsatz im Euphorion 1926 Bd. 27, S. 495 und Anmerkung).

Nicht minder würde Scherer in dem geistvollen Buch MaxKommereils (Der Dichter als Führer in der deutschen Klassik,Berlin 1928), dem neuesten Erzeugnis der von St. George in-spirierten gnostischen Literaturgeschichtsdichtung, die Kon-struktion verwerfen, die für Klopstocks künstlerisches Wesen alsentscheidende Mächte die Antike und den Freundschaftskult unsaufreden will, seinen religiösen Grundtrieb hingegen wie den Zugzur Empfindsamkeit und zur Natur in den Hintergrund rückt.

Die problematische Setzung der Periodengrenze hat übrigensmit der ästhetischen Wertung nichts zu tun. Jene bleibt stets einAkt der Willkür und ein Notbehelf, da der lebendige Fluß derliterarischen Entwicklung keine Grenzen hat. Aber wenn Cysarzsich darüber ereifert, daß im Banne von Scherers Periodisierungniemand mit Karl Lemckein seiner 'Geschichte der deutschenDichtung seit Opitz' es gewagt habe, die Anfänge der neuen lite-rarischen Bewegung an die Wende des sechzehnten Jahrhunderts

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