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Wissenschaftsgeschichtliche Eindrücke eines alten Germanisten : Festgabe zum zweihundertfünfzigjährigen Jubiläum der Weidmannschen Buchhandlung
(1. April 1930)
Entstehung
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widern. Sie erscheint unfaßbar abstoßend, wenn man bedenkt,daß der Mann, der das auszusprechen sich nicht scheute, unter demSchilde des von ihm beschimpften edeln Toten vor der Öffentlich-keit den ersten wissenschaftlichen Erfolg gewann.

Cysarz hat diese und andere Maßlosigkeiten seines Ausdrucks indem Vorwort zu seiner Prager Antrittsvorlesung mit einem Hin-weis auf bejammernswerte Kriegsschicksale zu entschuldigen ver-sucht. Seine Ausfälle scheinen demnach gewissermaßen einemRachebedürfnis zu entspringen. Aber < Wilhelm Scherer, der vonallem Teutonismus freie deutsche Patriot und Forscher, der mitvollem Bewußtsein für die Versöhnung der Nationen und ihrerKulturen gewirkt hat (vgl. meine Ausführung in der DeutschenLiteraturzeitung 1891, Spalte 15), welche Schuld trägt er an denGreueln des Weltkriegs ?

Doch gleichviel: Cysarz, wenn er Scherer wegen seiner un-geschichtlichen Gliederung seines Stoffes tadelt, verfährt selbstganz ungeschichtlich. Er legt an Scherers Literaturgeschichte,deren Schlußheft im Dezember 1883 ausgegeben worden ist, einenanachronistischen Maßstab. Bei Erscheinen dieses Werks wirktegerade seine höhere ästhetische Wertung des siebzehnten Jahr-hunderts als Vorstoß gegen die im allgemeinen herrschende An-sicht, die am siebzehnten Jahrhundert lediglich einen Abfall vonder gesunden volksmäßigen Bewegung des sechzehnten Jahr-hunderts bemerkte und es deshalb verurteilte. Viele nahmen damalsan Scherers wärmerer Schätzung des Aufbaus einer Renaissance-poesie in deutscher Sprache nach ausländischen literarischenMustern, dessen Anfänge er richtig schon für den Ausgang dessechzehnten Jahrhunderts beobachtete, sogar Anstoß und be-dauerten seine Auffassung als Mißachtung des nationalen Elements.Auch ich wie mein Freund Gustav Roethe waren zuerst vondieser Stimmung erfaßt. Freilich sind wir bald zu besserer Einsichtgelangt und haben Scherers Urteil anerkannt. Denn es war seiner-zeit ein entscheidender Fortschritt zu einem unbefangeneren Ver-ständnis der Literatur des siebzehnten Jahrhunderts. Spezial-forschungen freilich hat er für dieses Jahrhundert nur in beschränk-

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