schaftliche Verbindung getreten. Zusammen mit Scherers hervor-ragendstem Schüler Erich Schmidt, dessen bedeutendsteLeistung die geistreich gelehrte, quellenkundige und lebensvolleLessingbiographie (1884—1892) gleichfalls vom WeidmannschenVerlag betreut ward, konnte ich die weit verstreute Masse der'Kleinen Schriften' Scherers im Verlage der WeidmannschenBuchhandlung herausgeben (1893).
Kennt man von Scherer nur den Teil seiner dämonischen"Schaffenskraft, die er selbst in Buchform gepreßt hat, so weißman von seinem mit 45 Jahren abberufenen Genie nur wenig.Man gewahrt dann nicht die Tiefe und Fülle, die Wandlungs- undEntfaltungsfähigkeit seiner Doppelnatur. Er war gelehrterForscher und wertender künstlerischer Darsteller. Er war eininduktiver, philologisch gerichteter Historiker und hatte zugleicheine starke Begabung für Deduktion, eine Neigung zur Philo-sophie. Er bekannte sich oft zum Positivismus. Dem Positivimuslegt man heute häufig ohne weiteres eine materialistische Auf-fassung bei. Indessen Comte, der Begründer der positivistischenPhilosophie, hatte eine Welt- und Geschichtsbetrachtung, dertrotz ihrer positiven Wertung eine metaphysische Sinngebungeignete (Kurt Reiche, August Comtes Geschichtsphilosophie,Tübingen, Mohr, 1927, S. 39—42). Wie man nun auch darüberurteilen mag, Scherer war im Grunde jedesfalls beseelt von einemder flach positivistischen Anschauung überlegenen Idealismus,der sich aus Herder und Goethe genährt hatte. Niemand vermagzu sagen, welche Wege er, hätte sein Leben das gewöhnlichemenschliche Maß erreicht, noch eingeschlagen haben würde.
Seine letzte literarische Äußerung, sein Glückwunsch an GustavFreytag aus dem Juli 1886 (Kleine Schriften II 3Öff.) bekundetnicht bloß autobiographisch mit warmem Dank, doch auch mitleiser Ironie eigene enthusiastische J ugendeindrücke von nationalemInhalt. Er sucht damals „in einer Zeit, die . . . von Erfolgen undBemühungen auf dem Gebiete des äußeren Lebens widerhallt"„eine gute Gelegenheit, um an die Mächte des inneren Lebenszu erinnern, die über lange Epochen unserer Geschichte fast aus-
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