schließlich herrschten", eine „Gelegenheit, den Wert der Poesiefür das nationale Leben wieder einmal kräftig hervorzuheben",und hofft, „daß die Nation auch ganz bereit wäre, den Anlaß zubenützen." Wenn er Freytags siebzigsten Geburtstag als einensolchen Anlaß betrachtet und dem Roman 'Soll und Haben' wieden 'Bildern aus der deutschen Vergangenheit' höchstes Lobspendet, so bleibt auch das im wesentlichen noch heute bestehen.Aber die Hauptsache ist der Appell an die Mächte des innerenLebens und die Hoffnung auf die erneute Hervorhebung des natio-nalen Werts der Poesie.
In gleichem Sinne hatte Scherer schon 1879 dem von ihmseit der Jugendzeit verehrten Gervinus, dem nach seinerMeinung 'einzigen Literarhistoriker großen Stils', Mißverstehender Zeichen seiner eigenen Zeit vorgeworfen, weil er die Nationvon der Pflege der Dichtung abrief, und hatte demgegenüber er-klärt : „Ein wahrhaft vorschauender Blick mußte schon damals dieGefahren erkennen, welche aus dem Vorwalten politischer undmaterieller Interessen drohten ... Er mußte in unseren großenDichtern die wahren Bundesgenossen erkennen, durch welche wirallein uns auf der Höhe der Kultur behaupten können" (KleineSchriften I 6y2f.).
Literarische Gassenjungen verschreien Scherer als das Haupteiner materialistischen und einer mechanischen Geschichtsbetrach-tung, und selbst dort, wo man es nicht erwarten sollte, wird diesgedankenlos nachgesprochen. In Wahrheit stand er viel höher:vgl. meine Anzeige der Poetik Scherers, Deutsche Literaturzeitung1888, Spalte 1444—49. Das hat später auch Erich Rothacker(Einleitung in die Geisteswissenschaften, Tübingen 1920 passim)offen zugestanden, aber leider ohne genügend beachtet zuwerden.
Scherer sah die literarische Tendenz des auf seinen Tod folgen-den Menschenalters voraus und wünschte sie herbei. Mit Heftig-keit kämpfte er gegen die Mechanisierung der Methoden, beklagtedie Einseitigkeit der Philologie, weil in ihr von dem Ver-hältnis zur Ästhetik nie die Rede sei, war überzeugt, es könne
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