178
1. Februar 1516 datierte er das Widmungsschreiben an den tapst(Opp. VI, [2]), im Februar noch ward der Druck vollendet. Aberwährend er in dem Briefe an Caraffa sich recht zufrieden mit der Aus-gabe gezeigt hatte, nannte er sie schon am 3. Februar 1516 gegenüberWimpfling, dann auch später gegen Eilenbog und Pirckheimer (ep. 274,
2. Novbr. 1517) überhastet 1 ). Den Plan zu einer zweiten Ausgabe,die ihn im Sommer 1518 wieder nach Basel führte, fasste er balddarauf; am 2. September 1516 (App. 75) wusste schon Capito davon.Dem Erzbischof Warham fiel wieder der Hieronymus zu, dessen Wid-mung vom 1. April 1516 datiert ist 2 ).
Den Druck des Hieronymus wartete Erasmus nicht mehr ab. NachMonaten ernster Arbeiten schied er aus der liebgewonnenen Stadt, dieseine zweite Heimat werden sollte. Fremd war er gekommen, Freundeliess er zurück; fast zwei Jahre innigen Verkehrs mit den jungen Ta-lenten des aufstrebenden deutschen Humanismus lagen hinter ihm, be-deutungsvolle Jahre für Erasmus, dem hier zum ersten Male Ehrenentgegengebracht wurden, die man ihm vorher versagt oder nur kärglichgespendet hatte, der nun eine willige Gefolgschaft gefunden hatte, dieseine Ideen aufzunehmen und fortzupflanzen fähig war; bedeutungsvoll auchfür den deutschen Humanismus, dem seither der Name des Erasmusdas Banner wurde, um das die zerstreuten Scharen sich sammelten.Verstärkt durch den persönlichen, hatte der litterarische Einfluss desErasmus in den deutschen gelehrten Kreisen von nun ab an Umfangwie an Tiefe beträchtlich zugenommen.
Mitte Mai verliess Erasmus Basel. Am 9. Mai (ep. 213) ludihn noch Zasius dringend zu sich ein, der es bedauerte, bisher nurimmer brieflich mit ihm verkehrt zu haben. Das Datum 1516 ergiebtsich aus der bevorstehenden Ausgabe des Hieronymus (haec tuus Hie-ronymus docere poterit), genauer aus dem Umstände, dass Erasmusim Jahre 1515 schon im März oder April Basel verliess. Da er beidem Empfange dieses Briefes schon im Begriff abzureisen war (ad iteraccineti), entschuldigte er sich in einem kurzen Schreiben an BonifaciusAmerbach, der bei Zasius in Freiburg studierte, dass er keine Zeit
') Franz Delitzsch, der (im „Serapeum", Leipzig 1862, S. 17 ff.) dengriechischen Text der Apokalypse mit dem von ihm 1861 aufgefundenen, vonErasmus benutzten sog. „Codex Reuchlini" verglichen hat, macht ihm Willkürund Nachlässigkeit zum Vorwurf.
2 ) Sie findet sich nicht in den gebräuchlichen Ausgaben der Werke desErasmus, sondern ist zuletzt abgedruckt bei Jortin II, 528—535.