Druckschrift 
Beiträge zur Geschichte der Trierer Buchmalerei im früheren Mittelalter
Entstehung
Seite
156
Einzelbild herunterladen
 

156

zur Rückkehr nach England bewogen hätten 1 )." Denn Erasmus hattenicht aufgehört, Mönch zu sein; er stand noch immer unter den Ordens-gesetzen, und sein Vorgesetzter war es, der nun freundschaftlich warnendihn an seine Pflicht erinnerte, da er. den Vorschriften zuwider, dasOrdenskleid mit der Tracht des Weltgeistlichen vertauscht hatte. Sofrei sich der humanistische Weltbürger seit vielen Jahren zu fühlengelernt hatte: mitten in grossartigen Zukunftsplänen ward ihm dieFessel gewiesen, die ihn an eine längst vergessen geglaubte Vergangen-heit und einen tief verachteten Stand kettete; sie für immer abzustreifen,werden wir von nun an als den Leitstern seines Strebens in den nächstenJahren erkennen 2 ).

Nicht lange nach diesem Briefe setzte Erasmus seinen Weg nachBasel fort. Über den Reiseweg giebt uns besondtrs ein Brief an MountjoyKuude (ep. 182), der vom 29. August aus Basel datiert, jedoch auszwei Teilen kontaminiert ist, von denen der erste in Gent (Gandavidies aliquot commoratus sum... nunc Antwerpiam pergam"), der zweitein Basel geschrieben ist. Hiernach war er über St. Omer, wo er beidem Abte von St. Bertin zwei Tage weilte, und über Berghes, wo erden Fürsten von Weere begrüsste, nach Gent gereist; durch Krankheitaufgehalten, hatte er seinen Weg nach Antwerpen fortgesetzt. Am1. August finden wir ihn in Löwen, wo er die Widmung desCato*an Job. Nevius schrieb 3 ); von hier brach er nach Deutschland auf.Er berührte Mainz, wie wir aus App. 85 erfahren, und hier machte erdie Bekanntschaft Hutteus 4 ); in Strassburg begrüsste ihn Jacob Wimpf-ling als Sprecher der dortigen litterarischen Gesellschaft 5 ); währendseines kurzen Aufenthaltes besorgte er eine Neuausgabe seinerRatio

J ) App. 485 vom Anfang des J. 1506; zum Datum vgl. Richter, Erasmus-Studien. S. 58, No. 166.

2 ) Der Brief ist, mit Abweichungen im Einzelnen, gedruckt in Opp.omn. I und in den Briefen als App. 8; beide Texte sind verderbt, Jortin(Life of Erasmus II, 322) hat aus ihnen den richtigen Text zusammenzustellengesucht. J. B. Kan (Erasmiana, in: Bibliogr. u. litt. Chron. d. Schweiz, 1878,S. 112) vermutet mit Unrecht, dass der Brief später geschrieben ist, weilErasmus 1514 noch nicht sagen konnte, dass eralt und grau" sei; Wolseywird ja auch hier als Bischof von Lincoln genannt.

3 ) S. unten Anhang I.

4 ) Strauss, Ulr. von Hütten. Leipzig 1858. I, 110. Zum Dat. vonApp. 85 s. unten S. 160.

5 ) Ch. Schmidt, Histoire litteraire de l'Alsace. Paris 1879. I, S. XVIII,S. 86.

i