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freilich, in Cambridge gewohnt und die griechische Professur innegehabt.Der Beginn seiner Vorlesungen fällt in den Spätsommer 1511, undnoch im November 1513 (ep. 131 E) sind Spuren seiner Lehrtätigkeitvorhanden: nur ein Goldstück, klagt er, habe er während der letzten5 Monate von seinen Zuhörern, und auch das nur mit Mühe, erhalten.Es ist also eine tendenziöse Entstellung, darauf berechnet, seine angeb-liche Freiheit von drückenden Pflichten und seine ganze Hingabe andie Wissenschaften zu erweisen, wenn er kurz darauf, am 9. Juli 1514(App. 8) an den Prior Servatius in Stein schreibt, er habe nur mehrereMonate („complures menses") in Cambridge griechische und theologischeVorlesungen gehalten, und ebenso falsch ist es, wie er fortfährt, dasser es umsonst gethan habe 1 ). Dass er von der Universität ein Gehaltbezog, geht deutlich aus der Bitte an Mouutjoy hervor, ihr zu demhohen Gehalt ihres Professors einen Zuschuss zu gewähren; und wenndie Honorare von den Studenten nicht viel einbrachten, wie ja zuge-geben werden muss, so entsprach das durchaus nicht dem Wunsche desErasmus.
Immerhin aber war seine Lage nicht beneidenswert, und seineBegeisterung für England hatte einen argen Stoss erlitten. Aber Erasmuswar um einen Ausweg nie verlegen: vorsichtig, ohne mit den Engländernvöllig zu brechen, richtete er seine Blicke nach dem Vaterlande, dessenjunger Fürst, der spätere Kaiser Karl V., soeben heranwuchs; bei ihmsuchte Erasmus, wie er am 14. März 1514 an Anton von Berghes,den Abt zu St. Bertin, schrieb (ep. 144), die äussere Sicherung, „dieseine Müsse nähren könnte." Nicht etwa, so erklärt er — vielleichtetwas zu eifrig, als dass es ganz aufrichtig klingt —, weil ihm Bri-tannien oder seine englischen Mäcene missfielen; die Schuld liege alleinan der Ungunst der Zeiten; „der Krieg hat den Geist dieser Inselvöllig umgewandelt. u Von einer friedlichen Zeit Strömung, die er vondem Einflüsse des humanistisch gebildeten Leo X. erhofft, versprichter auch sich persönlich eine Besserung seiner Lage. Weniger verhüllttritt das bittere Gefühl der in England erlittenen Enttäuschungen ineinem Brief an Roger Wentford (ep. 166) hervor; „an goldenen Ver-sprechungen," spottet er, „bin ich reich, sonst aber muss ich wackerhungern." Er hatte nach Cambridge mehr als 72 Nobeln mitgebracht,von denen nichts übrig geblieben sei; daraus könne er schliessen, wie
') App. 8, S. 1529 A: „Cantabrigiae menses complures docui Graecaset sacras litteras, idque gratis, itaque semper t'acere decretum est."