Druckschrift 
Beiträge zur Geschichte der Trierer Buchmalerei im früheren Mittelalter
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

WM

94

Fulda 1 ) und Remiremont 2 ). Darauf ist später zurückzukommen. EinePrümer Handschrift habe ich oben im Zusammenhange mit der Haupt-schule behandelt, weil sie technisch und stilistisch zu wenig Ab-weichendes bietet und sicher auf Trier selbst lokalisiert worden wäre,hätten nicht sichere Indicien zur Annahme des Prümer Ursprungs ge-zwungen.

Anders verhält es sich mit der uralten Benediktinerabtei Echternach,der Stiftung Willibrords. Künstlerische Beziehungen zwischen Trier undEchternach hatten schon früher bestanden, wie wir oben anlässlichder Hs. 134 der Trierer Dombibliothek festzustellen Gelegenheit hatten.Vielleicht stammt der stark irische Zug in der karolingischen Buch-malerei des Klosters St. Maximin auch aus Echternach.

Ganz rege aber war der Verkehr zwischen beiden Orten unterden Ottonen, besonders im goldenen Zeitalter der Trierer Kunst, unterdem herrlichen Erzbischof Egbert, einer vornehmen markanten Persön-lichkeit, den man mutatis mutandis als einen Vorläufer jenergrossartigen Kirchenfürsten der Renaissance, eines Julius II und Leo X,bezeichnen kann. An zwei Codices knüpfte die kunstgeschichtlicheForschung schon früher an und bewies, allerdings mehr auf Grundeiner ikonographischen Vergleichung, die Abhängigkeit der EchternacherKlosterkunst von Trier. Es sind der Echternacher Codex der herzoglichenBibliothek zu Gotha und der Evangeliar Heinrichs III auf der BremerStadtbibliothek. Letztererikonographisch eine Kompilation aus demCodex Egberti und dem Echternacher Codex, schliesst er sich stilistischund technisch unbedingt dem letzteren an, muss als Schulhs. des Codexbezeichnet werden" (Voege a. a. 0. S. 383).

Eingehendere Studien auf dem Gebiete der ottonischen Buchmalereibewiesen, dass der Echternacher Codex in eminentem Sinne schulbildendwirkte. Dies dokumentieren eine grosse Gruppe Echternacher Bilder-

') So ist z. B. das Fuldaer Sacramentar saec. XI der Universitäts-bibliothek zu Göttingen (Cod. ms. theol. 231) von einem Maler geschaffenworden, der sowohl technisch und stilistisch als auch ikonographisch sicherunter Trierer Einflüssen stand. Vgl. z. B. die Kreuzigung (die Hs. besprochenu. z. T. abgeb. von Beissel inSehnütgens Zeitschrift für christl. Kunst 1894No. 3) mit derselben Darstellung im Echternacher und Egbert-Codex.

2 ) Vgl. Neues Archiv etc. 19. Ebner über den Index liber vitae undNekrologium von Remiremont (Bibl. angel. zu Rom A II 12). Ebner S. 62.fol. 7a. Rotbertus archiepiscopus cum omnibus suis, wobei die Erwähnungdes Standes und der Begleitung selten und wichtig ist. fol. 236 (Ebner S. 68)Nomina der Mönche von Prüm. Canones von 862. S. 59.