graduale, dem evangeliarium, dem epistolarium verschmolzen und dasmissale gebildet, von dem wir seit dem 11. Jahrhundert unzähligeCopieen besitzen.
Den Kern des sacramentarium, den canon missae, bildete schonin den Constitutiones apostolorum (lib. VIII), sowie in der koptischenLiturgie, die unverrückte Form des Messopfers 1 ) (Muratori: In canonetremendum sacrificii mysterium peragitur). Um diesen Urkern legtensich nach und nach verschiedene Teile, die durchaus nicht überall ein-heitlich gestaltet sind, sondern nach den verschiedenen Ländern variieren.Hauptsächlich sind es die von dem celebrierenden Priester gesprochenenGebete (Secretae, Collectae, Postcommuniones oder Complendae, Bene-dictiones). Ausserdem finden sich festa sanctorum, die dem Propriumde tempore eingereiht sind, sowie die liturgischen Vorschriften und Gebetebei den andern Sacramenten.
Als vollständige Teile traten noch hinzu Calendarien, Martyrologienund Nekrologien. Manchmal finden sich noch für die politische Ge-schichte hochwichtige Listen von Bischöfen, Mönchen, Wohlthätern derKirche und von treuen Gläubigen, die auf den Band und die Zwischen-linien der Manuskriptseiten geschrieben wurden 2 ).
Eine gewisse Norm für die Benennung der Sacramentarien scheintnicht geherrscht zu haben. Es finden sich die Bezeichnungen „sacra-mentarium", „über sacramentorum". Die Gesta abb. Fontanellensium[cap. 16. Scriptores M. G. H. II] nennen in einem Bücherverzeichnisvon S. Vandrille (unter Abt Gervold, 787—806): „sacramentariavol. 8"?). Daneben finden sich bereits im 9. Jahrh. die Bezeichnungen„missalis", „missales Gregoriani" 4 ).
Bereits im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich unter denTheologen ein reger Eifer, die Geschichte der alten christlichen Liturgieaufzuhellen; die Arbeiten von Muratori (Liturgia Komana vetus, Venedig1748), Mabillon (De Liturgia Gallicana libri III Paris 1719) undGerbert (Iter Alemannicum acced. Italicum et Gallicum, St. Blasien1776; Ders. Monumenta veteris liturgiae alemannicae, St. Blasien 1777)
J ) Funck in Kraus' Realencyclop. s. v. Constitutiones.
2 ) Über eine solche Liste von St. Maximin vgl. Kraus: WestdeutscheZeitschrift IV, 2. S. 138-56 und Delisle a. a. 0. S. 62/3. Vgl. bes. d.hochinteressanten über vitae d. Nonnenkloster Remiremont aus d. 9., 10. u.11. Jahrh. (Ebner. N. A. 19. S. 51 ff.)
3 ) Zucker. Rep. XIV. S. 34. Schlosser Quellenschr. S. 396.
4 ) v. Oechelhäuser a. a. 0. S. 19. .Zucker a. a. 0. S. 34 Anm.
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