40
Einen solch gewaltigen Eindruck machte dieser Kriegs-zug auf die Gemüter, dass Otto nach des Staufers Abzug esfür nötig hielt, die Grossen Niederdeutschlands noch einmalfür sich in Eid und Pflicht zu nehmen. Der frühere Eiferwar bei vielen erkaltet, seit ihnen die sichtliche Ueber-legenheit Philipps gezeigt hatte, dass dieser schliesslichdoch die Oberhand behalten müsse. Zwar erschienennoch alle vor Otto und schworen mit dem Munde ihmTreue, aber ihre Herzen waren, wie der Kölner Annalistversichert, von ihm abgewendet und schienen mehr bei KönigPhilipp, als in ihrer eigenen Brust zu schlagen. 1 )
Schnell war die Vergeltung über Adolf hereingebrochen.Statt der gehofften Vorteile hatte er ein verwüstetes Erz-bistum und vorläufig keine Aussicht, dass die Dinge sichbesser gestalten würden. Auch der Krieg in Mitteldeutsch-land brachte keine Entscheidung, und als Otto zu Anfangdes Jahres 1199 von dort nach Köln zurückkehrte, sah ersich überall auf die Defensive beschränkt. Der am 6. Aprilerfolgende Tod seines Oheims versetzte ihm den härtestenSchlag, der ihn überhaupt treffen konnte, denn Richardhatte durch seinen Einfluss und sein Geld dem Neffennicht nur die Krone verschafft, sondern war auch fernerhinseine Hauptstütze und sein bester Freund geblieben. 2 ) Daswar jetzt vorbei, und bald genug musste Otto erfahren, dassKönig Johann nicht sein Bruder Richard sei.
leicht Dehmen können, sei aber durch das Heranrücken des Brabanterserschreckt umgekehrt, so ist das ein doppelter Irrtum. Einmal warKöln nicht so leicht zu nehmen (wie die vergebliche Belagerung derStadt durch Heinrich V. zu Anfang des 12. Jahrhunderts zeigt), zumalseit dem Jahre 1187 ein neuer Wall um die äussere Stadt u. befestigteAussenthore seine Widerstandsfähigkeit bedeutend vergrössert hatten(Ann. Col. Max. zu 1187), sodann wurde Philipp erst beim zweiten Zugenach Köln 1199 durch den Herzog v. Brabant zum Rückzuge genötigt.(Ann. Col. Max. zu 1199). üeber den Abfall des Pfalzgrafen Reimchr.v. 5063 ff.
1) Ann. Col. Max. p. 807.
2) vgl. Winkelmann I, 90.