ß
Elsaß-Lothringen unmöglich andere Instruktionen geben konnte alsder Kaiser als König von Preußen, wurden, damit diese 3 Stimmennicht den preußischen 14 Stimmen einfach zuwuchsen, Fälle voraus-gesehen, in denen die 3 Stimmen ruhten. Immerhin kam fortan dieMeinung der elsaß-lothringischen Negierung neben der der anderenstärker in den Veratungen, wo auch schon vorher Vertreter zugelassenwaren, zum Ausdrucke.
Die Autonomiebewegung kam damit nicht zum Stillstande. DieStimmung war dauernd von der wechselnden außenpolitischen Lageabhängig, war ein politisches Barometer, das von der Luftbewegungvom Westen her abhängig blieb.
In den 43 Friedensjahren der Zugehörigkeit zum Teutschen Neichewaren die Neichslande außerordentlich aufgeblüht, wirtschaftlich wiegeistig. Das verdankten sie, abgesehen von der Tüchtigkeit der Be-völkerung, der sorgsamen Pflege der Negierung. Dieser Segen wuchsvon Jahr zu Jahr, von den einfachen Leuten wurde das auch mehrund mehr anerkannt, wenn auch manche der Statthalter sich allzusehr auf die Notabeln zu stützen gesucht hatten; diese blieben meistunzuverlässig. Mit den Gewittern, die am politischen Himmel dräu-ten, verdoppelten sich die Anstrengungen der Franzosenfreunde, diedas Land mit Geheimorganisationen überzogen und nach Zeiten derBeruhigung hetzten und schürten. Wäre das halbe Jahrhundert derdeutschen Herrschaft voll geworden, so wären, wie auch Franzoseneingestanden haben, die Neichsländer mit Deutschland innig ver-schmolzen worden. Da kam der Weltkrieg.
102. Die Ausgestaltung des Reiches
Konstruktion der Neichsbehörden. Ihr Zusammenhang mitder preußischen Negierung. Neichsämter. Ausdehnung derNeichszuständigkeit. Kolonien. Sozialgesetze. Parteien.Wechsel ihres Einflusses. Versicherungsgesetze. Schutzzoll
Die Ausgestaltung des Neiches in der Zeit bis zum Weltkriegedarf ich nur in großen Zügen behandeln.
Die Organisationsfragen waren das Problem des deutschenStaates von seinem Anfange an. Sie waren nie ganz glücklich ge-
464