ihm, wie er es so bei vielen anderen getan, die Hand zu schütteln.Bei der Festtafel hatte sich der Groll verzogen. Zwei harte Köpfewaren, ihrem Wesen entsprechend, zusammengestoßen: der eigen-willige, die Zukunft überschauende Staatsmann und der an seinerVergangenheit hängende König. An diesen Tag heftete sich diedeutsche Nationalfeier; da die Neichsverfafsung poesielos an ver-schiedenen Tagen zustande gekommen war, fand das deutsche Volkin diesem Akte auf fremdem Voden, bei dem das Militär die Szenebeherrschte, die endlich erreichte Einigung verkörpert.
Vismarck hat in diesen schweren Tagen auch auf das ilrteil derZukunft gesehen, den Tadel der Nachwelt erörtert, man hätte mehrerreichen können und sollen, man hätte Bayern schärfer anfassensollen. Er aber, der um alle Klippen gesteuert hatte und neue sah,hatte aus den gegebenen Verhältnissen einen Vlock geschaffen, dennachfolgende Generationen besser auspolieren könnten. Er hatte dasNeich geschaffen, Bayerns noch zuletzt hervorgetretene, sehr weit-gehende Forderungen abgelehnt. Für alle Fürstenhäuser war dasNeich ein wohnlicher Bau.
Es wird nicht selten von einem protestantischen Kaisertum geredet.Für die konfessionelle Bindung der Kaiserwürde gibt weder dieNeichsverfafsung, noch die preußische, noch das königliche Hausgesetzeine rechtliche Unterlage. Das war anders im alten Neiche gewesen;denn in der kaiserlichen Wahlkapitulation gelobte der Kaiser, „dieChristenheit, die päpstliche Heiligkeit und christliche Kirche als der-selben Advokat in gutem treulichen Schutz und Schirm" zu „halten".Das wurde zugunsten der Protestanten zwar eingeschränkt, änderteaber nicht die Grundforderung. Tatsächlich war nun ein evangelischesKaiserhaus an die Spitze des neuen deutschen Neiches getreten. DasAusscheiden Österreichs, das ist des einstigen Hausgutes des altenNeiches, aus dem Verbände hatte 1866 die Katholiken in die Min-derheit versetzt. Die in der Summe der einstigen weltlichen Lehenvorherrschende protestantische Neligionsmeinung hatte das Über-gewicht.
Wer also die Tatsache der protestantischen Spitze des neuenNeiches so stark betont, legt der katholischen Minderheil es nahe,eine Stimmung zu hegen, welche der der Protestanten im alten
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