offenen Kurpromenade in Ems und Abweisung durch den König)auch der Presse mitzuteilen. Der Bundeskanzler, der im Augen-blicke in Berlin war, frug nach der Lektüre den GeneralstabschefMoltke nach der militärischen Auffassung. Da dieser den sofortigenAusbruch der Feindseligkeiten der Verschleppung der Krisis vorzog,gestaltete Vismarck diese innere Dienstdepesche so um, daß aus derChamade eine Fanfare wurde. Der französische Historiker Seignoboserkennt an, daß die Depesche in ihrer ursprünglichen Gestalt sichnicht zur Veröffentlichung eignete und die umgestaltete nichts Fal-sches hinzugefügt hat. Er erkennt auch an, daß die französische Re-gierung sich des Vorteils der Formen des regelrechten diploma-tischen Dienstes begeben hatte. Jeder Teutsche sah nun, wie schwerder doch auch von seinen politischen Gegnern hochgeehrte 73jährigeKönig beleidigt worden war. Aus einer übel ausgelaufenen Ange-legenheit des Hauses Hohenzollern war eine Sache des deutschenVolkes und des führenden Staates geworden. Während Frankreichgar gern längere Verhandlungen geführt hätte, um selbst seineNüstungen zu beschleunigen und die der erwarteten Bundesgenossengesichert herbeizubringen, hatte die Depesche die Wirkung, daß siediesen für Frankreich günstigen Aufschub unmöglich machte. DerWille zu einem Kriege herrschte in Frankreich schon vorher. Dietiefste Bedeutung der „Emser Depesche" liegt darin, daß sie Frank-reichs Absicht, sich militärisch-diplomatisch zu sichern, durchkreuzte.Gramont sah bald ein, daß er, der blind zum Kriege trieb, diesesversäumt hatte. Am 19. Juli erklärte Frankreich Preußen den Krieg.Die Südstaaten erkannten den Vündnisfall an, so zogen begeisterteTruppen von Sieg zu Sieg. Weder Österreich noch Italien tratenin den Krieg ein. Die Gefangennahme Napoleons führte zur Repu-blik, die mit äußerster Zähigkeit bis zuletzt den Kampf fortsetzte.Der Wiener Kriegsrat vom 18. Juli 1870 stand unter dem Druckedes Widerstandes des ungarischen Ministerpräsidenten Andrassy undder Mahnungen, die vom Zarenhofe ausgingen. Noch ging derVersuch weiter, auf neuer Basis den Dreibund zu schließen, dochdie Schlacht von Wörth vernichtete auch das. In Paris hatte mansich falsche Voraussetzungen gemacht. Der russische Zar hat Preußen-Deutschland wie 1866 so 1870/71 den Nucken frei gehalten. Erst
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