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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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liche Ludwig II., hatte das höchste dynastische Selbstgefühl und wurdevon seinem Großvater König Ludwig I. und anderen Fürstlichkeitenan Bayerns Souveränität gemahnt. Hohenlohe hatte nichts vonder dämonischen Natur Vismarcks, er war dafür ein Meister desLavierens, ein Skeptiker, besaß stille Zähigkeit und behielt das Zielim Auge, wenn er auch die Wege wechselte. Da der König sich wenigum die laufenden Geschäfte kümmerte, konnte der erprobte diploma-tische Schachspieler manche Verhandlungen führen, ohne ihn zu ver-ständigen. Wenn man bei Hohenlohe von einer festen Linie reden darf,so war es die, bei einem Anschlüsse an den Norddeutschen Bundmöglichst viel für Bayerns Souveränität zu retten. Tann aber sollteder Bund ein Bündnis mit Österreich schließen.

In Württemberg trug Varnbüler die Geschäfte, ein Mann vongroßer Beweglichkeit, klar und ehrgeizig. Ihn erfüllte keine schroffeAbneigung gegen Preußen; hatte er doch selbst nach der Nieder-lage das Schutz- und Trutzbündnis mit Preußen angeregt, er, dervier Monate zuvor dessen scharfer Gegner gewesen war.

Ein ausgesprochener Gegner Preußens war der darmstädtischeMinister von Dalwigk geblieben, der einzige der deutschen Staats-männer, der mit Frankreich und Österreich sehr vertraute Bezie-hungen unterhielt und mitunter ihren Handlanger spielte, ein per-sönlicher Gegner Vismarcks. And gerade er leitete die Geschäfteeines Staates, der halb zum Norddeutschen Bunde gehörte und fürden Nest keinerlei Vesitzgarantie hatte, wie sie die anderen süd-deutschen Staaten besaßen. Sein Großherzog teilte die GesinnungDalwigks und bedauerte noch 1870 Napoleon gegenüber, daß erangesichts der Kanonen von Mainz nicht dessen Partei ergreifenkönne. Gut, daß der Schlüssel Deutschlands ihm nur in ziviler Ver-waltung unterstand. Ganz anders dachten das Volk und der Thronerbe.

Ein Gegner Vismarcks hatte auch in Österreich die Geschäfteübernommen: Freiherr von Veust. Es ist begreiflich, daß der Kaisernicht sofort den Gedanken aufgab, die Führung in Teutschland unddamit die in Mitteleuropa wiederzugewinnen. Darum erkor er sichVeust, dessen Waghalsigkeit er wohl kaum erkannte. And mit demKaiser dachten Erzherzog Albrecht, der Generalissimus des Heeres,und der Kriegsminister Kühn.

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