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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Präsidenten gegenzuzeichnen. Der norddeutsche Neichstag nahm denAntrag von Vennigsen an, daß die Anordnungen und Verfügungendes Präsidiums zu ihrer Gültigkeit der Gegenzeichnung des Bundes-kanzlers bedürfen, welcher dadurch die Verantwortung übernimmt.Es war nicht klar gesagt, wem er verantwortlich sei: dem Bundes-Präsidenten, den verbündeten Negierungen (dem eigentlichen Sou-veräne) oder dem Reichstage. Mit dieser Gegenzeichnung erhieltdas bescheidene Amt eine staatsrechtliche Bedeutung und vollendsdurch die Verantwortlichkeit, und Vismarck erkannte sofort, daßnun der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, der leitendeStaatsmann des Vundespräsidenten, auch Bundeskanzler sein müsse,nicht mehr ein preußischer oder gar ein andersstaatlicher Beamterdazu vom Vundespräsidenten ernannt werden könne. Es ist alsonicht richtig, daß Vismarck die Neichsverfassung auf seinen Leibzugeschnitten habe, der Neichstag hat es getan. Er gab Vismarckdie Schlüsselstellung. Ein Gesetz über jene Verantwortlichkeit wurdejedoch nicht erlassen.

Im Reichstage wurde auch angeregt, ein verantwortungsvollesVundesministerium zu bilden. Doch Vismarck sah darin eine Ten-denz zum Einheitsstaate, zur Mediatisierung der Vundesstaaten.Tamit wäre auch der Anschluß der Südstaaten an den Vund wohlverhindert worden.

Dem Bundesrate wurde als zweiter Faktor der Neichstag ent-gegengestellt. Vismarck sah darin ein zentralistisches Schwungrad,den Vertreter des Einheitswillens, ein Gegengewicht gegen denpartikularistischen Bundesrat. In seinem Vertrauen auf die Neifedes deutschen Volkes hat er in seinem Vorschlage das allgemeine undgleiche Wahlrecht vorgesehen. Ihn beherrscht der Glaube an dengesunden Sinn des deutschen Volkes. Es werde unter den Männernruhigen Arteils, allgemeiner Bildung, von Erfahrung im Staats-leben, von innerer Selbständigkeit je den besten erwählen, Männer,die das Vaterland und seine Bedürfnisse höher stellten als diePartei und deren Nutzen. Er liebte nicht die Prinzipienreiter, wie siedie Bourgeoisie erkoren hatte. Er rechnete mit kurzen Sitzungen desReichstages. Das werde es auch vielbeschäftigten Männern ermög-lichen, sich wählen zu lassen. And gerade sie würden von ihren Wahl-

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