Abtretungen wären zum größten Teile auf Kosten der Südstaatengegangen, die kurz vorher Napoleon hatte bereichern wollen. Seinebisherige Politik hatte mit dem Nationalitätsprinzipe gearbeitetund dabei den französischen Einfluß gewaltig gesteigert. Der Aus-gang der deutschen Kämpfe hatte der Autorität Napoleons wiedraußen so auch im eigenen Lande schwer geschadet. War das nochder Weg, dem jungen Sohne den Thron zu sichern? Es ergriff denkranken Kaiser „em dynastisches Angstmotiv". Werde Vismarck viel-leicht die Schwächung der Südstaaten, die noch im Kampfe standen,zulassen?
Am 5. August übersandte Venedetti Vismarck einen Vertrags-entwurf, der „ernste und unvermeidliche Schwierigkeiten" im Falleder Nichtannahme hervorhob. Venedetti, der ungern den heiklenSchritt tat, erhielt in den mündlichen Verhandlungen von Vismarckein glattes, schroffes Nein. Dieser gab seine Erklärung im Sinneder deutschen Politik ab, der er fortan diente. Der Generalstabbereitete sich sofort darauf vor, die Armee an den Nhein zu werfen,schon gingen Militärzüge dahin ab. Der Napoleon nahestehendeGeneral MacMahon riet aber dringend vom Kriege ab. Daraufbezeichnete sein Kaiser die Forderungen Venedettis als Mißver»Mndnisse.
Venedetti wurde nunmehr auf eine andere Fährte gewiesen. Preu»ßen solle helfen, den König der Niederlande zum Verzichte auf dasGroßherzogtum Luxemburg zu bewegen. Ja Preußen sollte, wennNapoleon die Annexion Belgiens versuche, ihn mit seinen Waffenunterstützen. Venedetti gab einen eigenhändig geschriebenen Ver-tragsentwurf in die Hände Vismarcks (19. August). Dieser hattefrüher in der Not der Lage Frankreich auf Belgien verwiesen, umdas Gewitter abzulenken, aber er so wenig wie sein König wolltesich binden, das von den Mächten errichtete, namentlich auch Eng-lands Interessen dienende antifranzösische Vollwerk niederreißen zuhelfen. Vismarck legte den Entwurf beiseite.
Napoleon hatte aus dem von ihm geschürten deutschen Vruder»kriege keinerlei Vorteile davongetragen. Vismarck aber hatte ausdem aufdringlichen, ja plumpen französischen Vorgehen erheblichenNutzen gezogen. Er hatte bei den Friedensverhandlungen mit den
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