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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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reizen, vielleicht sofort unter die Waffen rufen. Die Aussicht, daßdie unabhängigen Südstaaten die Freiheit haben sollten, einen be-sonderen unabhängigen Staatenbund zu bilden, mochte an der Seinedie Erinnerung an den Nheinbund wecken und hoffen lassen, ihn undÖsterreich französischer Leitung zugänglich zu machen. Auch das er-wog Vismarck, daß es bedenklich sei, sofort dem wesentlich prote-stantischen Norddeutschland das süddeutsch-katholisch-bayrische Ele-ment zu verbinden. Napoleon zu Gefallen, der die Annexionen inNorddeutschland schon deswegen billigte, weil er dann von PreußenKompensationen zu erlangen hoffte, wurde auch zugestanden, daßin Nordschleswig ein nicht befristetes Plebiszit entscheiden sollte,welche Teile an Dänemark abgetreten werden sollten. Freilich ist eszu diesem Plebiscite doch nicht gekommen.

Dem Hause Wettin rettete Kaiser Franz Joseph sein ungeschmäler-tes Königreich, ritterlich wollte er dem als Feldherr bewährtenKronprinzen dessen Erbe erhalten. Die sächsischen Truppen hattenauf österreichischem Boden mitgefochten.

Napoleon hatte Preußen den Norden zugestanden, Österreichkonnte nicht versuchen, eine der dortigen Dynastien zu retten. KönigWilhelm gab Vismarck gegenüber nach, der den raumpolitischenGrund, die Geschlossenheit Preußens, vertrat. So wurden folgendeStaaten völlig Preußen einverleibt: Schleswig-Holstein, das König-reich Hannover, das Kurfürstentum Hessen-Kassel, das HerzogtumNassau und die freie Stadt Frankfurt. Hessen-Tarmstadt mußte diesoeben angetretene Erbschaft in Hessen-Homburg abgeben, es rettetedurch des verwandten Zaren Eintreten auch die nördliche ProvinzOberhessen, die aber dem Norddeutschen Bunde beitreten mußte.Bayern trat seinen nördlichsten, in der Nhön liegenden Zipfel ab.Die Fürsten büßten für eine persönliche Politik. Durch diese Annexio-nen wurde Preußen ein zusammenhängender Körper, er wuchs um73200 Quadratkilometer und reichlich 4 Millionen Einwohner. Vis-marck trug sich dann mit dem Gedanken, die alten Staatsgrenzen zuverwischen, Stücke der Neuerwerbungen den alten preußischen Pro-vinzen anzugliedern und damit ältere untergegangene politische Ver-bände wieder herzustellen. Doch gab er angesichts des Widerstrebensder neuen Untertanen und der Schwierigkeiten der Amordnung diesen

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