Druckschrift 
Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
Seite
408
Einzelbild herunterladen
 

M

,

hatte Manteuffel als Chef des Militärkabinetts alle unmilitärischenhohen Herren mit einer Ausnahme — und gerade dieser erlitt eineNiederlage — in der Führung der Armeekorps durch vortrefflicheGenerale ersetzt. In der österreichischen Armee gab die Geburt nocheinen Vorzug, und manche, darunter auch Erzherzöge, erwiesen sichin den Einzelkämpfen als unfähig. Die österreichische Armee ver-fügte über eine bessere Artillerie, diese Waffe war besonders gepflegtworden, aber die Schußwaffe der Infanterie war noch der Vorder-lader, während die Preußen mit ihrem Hinterlader, dem Zündnadel-gewehre, im Vorteile waren. Dazu hielt man noch im kaiserliche!:Heere an der Stoßtaktik und dem Bajonettangriffe fest. Es wurdeauch auf dieser Seite tapfer und zähe gekämpft. Nie beiden bestenHeere der damaligen Welt rangen um den Sieg, beide bewährtenihre beste Überlieferung.

Die geographische Lage gab den Österreichern, die von vornhereindefensiv den Kampf führen wollten, als Bastion Böhmen. In denGebirgsrändern dieses Landes wurde die Grenze gegen das König-reich Sachsen nicht verteidigt. Die preußischen Westarmeen, Elbarmeeund I. schlesische Armee, kamen ohne Kampf durch die Püffe. Sieerreichten nach schweren siegreichen Kämpfen an der Iserlinie dieVistritz. Mit der österreichischen Hauptarmee rückte Venedek längsder Südausgänge der schlesischen Püffe, durch die isoliert die preußi-schen Armeekorps der 2. schlesischen Armee ihren Einmarsch bewerk-stelligen mußten, der in schweren Kämpfen erzwungen wurde. Venedek„vermochte nun nicht mehr zu operieren, sondern nur noch zu schla-gen" (Moltke). Er hatte alle seine Korps vereinigt und nahm dieSchlacht südlich der Vistritz an. Dabei ward sein linker Flügel vonder Elbarmee angegriffen, sein rechter unbedacht geführter Flügelwurde plötzlich von der Armee des Kronprinzen angefallen und ge-worfen. Getrennt zu marschieren, auf dem Schlachtfelde sich zu ver-einigen, war Moltke gelungen. Immerhin entzog sich, durch dieArtillerie gedeckt, die tief zerrüttete Hauptarmee der Österreicher derpreußischen Zange. Die Schlacht von Königgrätz (3. Juli) entschiedüber den Krieg. Das Vordringen der Sieger gegen Preßburg undWien nahm Kaiser Franz Joseph den Mut, mit den Besten seinerNordarmee und der inzwischen herbeigeholten Hauptmasse der gegen

4«8