94. Der Krieg von 1866 und die Friedensschlüsse
Moltke. Sein «Plan. Das österreichische Heer. Der Kampf.
Krieg in Süddeutschland; in Italien. Verhandlungen in
Nikolsburg. Napoleon. NerKönig und Vismarck. Nie Lösung.
Sendung Venedettis. Bündnisse mit den Süd st aaten
Hatte die preußische Politik bis zum Beginne des Krieges unterdem Drucke des Endtermines des Bündnisses mit Italien, das am8. Juli ablief und Vismarck zur höchsten Eile trieb, gelegen, so standder Krieg Preußens gegen Österreich und seine Bundesgenossen poli-tisch unter dem Drucke einer drohenden französischen Intervention.Zugleich aber lebte der preußische Generalstabschef Moltke in demGeiste der überaus raschen Kriegführung Napoleons I. Er wählteeinen Plan, der schnell die Entscheidung bringen konnte und mußte.Dazu mußten aus der Nheinprovinz alle Truppen herausgezogenwerden. Ward der Krieg nicht rasch entschieden, verbissen sich dieGegner in ein langes mörderisches Ningen, dann war die Zeit fürein Eingreifen der frischen französischen Truppen gekommen. Wiestanden alsdann die Chancen im Kriege am Nheine?
Die diplomatische Aktion Vismarcks und die strategische Moltkesmußten in unerhört schnellem Tempo ihr Ziel erreichen. Dieser Ent-scheidungskampf um Teutschlands Wesen und Zukunft vollzog sich inbetäubenden Schlägen, unter der höchsten Erregung aller Deutschen;denn jeder erlebte die Blutprobe auf seine Hoffnungen und Befürch-tungen. Vismarck und Moltke wagten den höchsten Einsatz, gewannendas Spiel, ehe das Ausland Zeit gefunden hatte, einzugreifen. Derdreißigjährige Bruderkrieg hatte ein Menschenalter gedauert und dasVaterland verwüstet. Dieser Bruderkrieg umfaßt bis zur Entschei-dung nur 12 Tage. Als diese erreicht war, sah das deutsche Volkeinen anderen Himmel und bewunderte jetzt den verhaßten Staats-mann und den bis dahin unbekannten Strategen. Sie hatten sich inder deutschen Geschichte die Stellung gesichert: des größten Staats-mannes und des besten aller Feldherren.
Das Oberkommando der österreichischen Nordarmee war Venedekwider dessen Willen — er traute sich nicht die Fähigkeiten zu —übertragen worden, und das Amt des Generalstabschefs wechselteund kam an den Theoretiker Krismaniö. In der preußischen Armee
407
.'!'