Druckschrift 
Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
Seite
405
Einzelbild herunterladen
 

^.<,,''^W^Ä«lW«

UZL

gestehen. Doch konnte Napoleon Italien nicht für einen Bruch desBündnisses mit Preußen gewinnen. Es gab auch einen Moment,wo auf inoffizielle Weise in Berlin von Frankreich ein Bündnisangeboten wurde, wenn Preußen dafür auf dem linken Nheinuferzwischen dem Elsaß und der Mosel Lande mit 1,3 Millionen Be-wohnern Frankreich zusicherte. Vismarck lehnte es ab, mit seinemKönige überhaupt darüber zu sprechen. Napoleon wendete sich wie-der auf die österreichische Seite, die noch nervöser geworden war.Am 12. Juni verpflichtete sich ihm Österreich, auch im Falle einesSieges in Deutschland Venetien an Italien abzutreten, und weitersicherte Österreich zu, Gebietveränderungen nur so weit vorzunehmen,daß die gewonnene deutsche Hegemonie das europäische Gleichgewichtnicht störe. Mündlich gaben die Minister Österreichs zu, daß „ausden Nheinprovinzen ein deutscher, neuer unabhängiger Staat ge-macht werde". Das war eine Preisgabe des Nheines. Damit gabdas in die Enge getriebene Österreich einen wesentlichen Teil seinesdeutschen Berufes auf.

Die österreichische Negierung brachte die schleswig-holsteinscheFrage an den Bundestag. In dem Geheimvertrage vom 16. Januar1864 hatten die beiden Mächte sich zugesagt, daß die Zukunft derHerzogtümer nur in gegenseitigem Einvernehmen festgestellt werdensolle. Das war auch im Vertrage von Gastein nicht geändert wor-den. Es war also ein Vertragsbruch, als Österreich am 1. Juni dieAngelegenheit dem Bunde überwies und zugleich anzeigte, daß derösterreichische Statthalter die Vollmacht erhalten habe, die holstein-schen Stände als die gesetzliche Vertretung zu berufen. Die isolierteösterreichische Brigade konnte die Holsteiner nicht schützen. Am 7. Junirückte Manteuffel in Holstein ein, ohne Kampf zog jene Brigadeab, der Augustenburger räumte das Land, die holsteinsche Landes-regierung wurde aufgelöst, ihre Geschäfte dem holsteinschen Baronvon Scheel-Plessen überwiesen und die in Itzehoe sich versammelndenLandstände in ihrer Tätigkeit behindert (10. Juni).

Am folgenden Tage erhob Österreich am Bundestage die Klagegegen Preußen wegen Bruches des Wiener Friedens und des Ver-trages von Gastein. Das war eine Angelegenheit der beiden Groß-mächte, und nach der Wiener Schlußakte hätte wegen der Bedrohung

405