Zeitungen. Es war eine Kraft geworden. So wenig das Geschlechtan Revolutionen von unten her dachte, so sehr es vor allem Nadi-taten zurückschreckte, die Stimmung wirkte auf die Fürsten und Re-gierungen. Ein erheblicher unterschied gegen die italienische Einheits-bewegung war es, daß in Deutschland nur gesetzliche Mittel in Ve-tracht gezogen wurden. Das Ziel einer besseren Einigung schienohne Verbindung der Nation und der Negierungen unerreichbar.Gelang das nicht, so befürchtete man einen Krieg; wenige hofftenauf ihn.
Teutschland sah zwei über die Staatsgrenzen hinausgehendePartei-vereine entstehen. Nach italienischem Vorbilde wurde der deutscheNationalverein begründet, der für die kleindeutsche Lösung, also fürpreußische Führung eintrat. Seinen Mitgliedern schien es erforder-lich, daß Preußen ins liberale Fahrwasser einlenke, stärker deutschdenke und handle und mit der öffentlichen Meinung des National-Vereins gleichen Kurs steuere. Auch Fürsten, wie des KönigsSchwiegersohn, der Großherzog Friedrich von Baden, drängten indieselbe Nichtung. Wir werden ihren Verhandlungen folgen. Aberder Gedanken Erftillung hatte der Hemmungen zu viele: Österreichwill sich reformieren, will konstitutionell werden. In den Mittel-mächten lebt der zähe Wille, ihre Stellung nicht oder nur wenigschmälern zu lassen, und es besteht keine Aussicht, selbst nicht beiEngland, daß das Ausland, das die Einigung Italiens zugelassenhatte, ein Ähnliches dem deutschen Volke gönnen werde. Vor allemaber, das Preußen Vismarcks stand in dem schwersten Konflikt mitseinem Parlamente. Es will sich nicht ändern, es will schwarzweißbleiben.
Den Gegenpol zum Nationalverein bildete der großdeutscheNeformverein. Seine Vremse bestand in der unfertigen Ver-fassung Österreichs. Das „Wehe den Besiegten" gilt auch von denGroßdeutschen. Mir will scheinen, daß heute leicht der Amfang derAnhängerschaft an den großdeutschen Gedanken unterschätzt wird.Nicht nur die Mehrzahl der Katholiken trat für das VerbleibenÖsterreichs im Bunde ein, es gab auch selbst in Preußen nichtwenige Evangelische, die dasselbe wünschten, von den anderen Staa-ten zu geschweige«. Sie warteten auf Gesundung Österreichs.
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