76. Die Verfassungsfrage in Preußen und Osterreich
Zusicherungen der preußischen Krone. Gründe des Auf.
schubs der Ausführung. Die Schwierigkeiten in Österreich.
Ungarn. Metternich und der Absolutismus
Preußens König hatte sich schon früh fest gebunden. Vei derBesitzergreifung der neuen Provinzen, in denen vor dem Zusammen-bruche des anoisQ r^ims altständische Vertretungen fast überallbestanden hatten, ward eine ständische Vertretung zugesichert. ImMai 1815 versprach der König der „preußischen Nation" als einPfand seines Vertrauens eine schriftliche Verfassungsurkunde undden Provinzen Provinzialvertretungen mit den: Rechte, die Kronezu beraten. Das Staatsschuldenedikt vom 17. Januar 1820 endlichlegte die Krone am klarsten fest. Es sollten neue Staatsschulden nurunter Zuziehung und Mitgarantie der künftigen reichsständischen Ver-sammlung aufgenommen werden können. Wann werden solche auf-genommen werden müssen? Vei der ruhigen außenpolitischen Lagetrat eine ernste Kriegsgefahr und damit die Notwendigkeit, schleunigsteine Volksvertretung zu schaffen, zunächst nicht ein. Erst die Fort-schritte der Technik, ein Eisenbahnbau, sollten endlich den Zwang zueiner Verfassung auslösen.
Diese Verzögerung hatte eine Neihe von Ursachen. Da jenesVersprechen vorsah, daß die Landesvertretung aus Vertretern derProvinzialstände und diese aus solchen der Kreistage zusammen-gesetzt sein sollten, so war die Verfassung an die Regelung derVerwaltung gebunden. Tiefe aber mußte die tiefgreifenden Unter-schiede zwischen dem Osten mit den auf den Kreistagen geltendenVirilstimmen der Rittergutsbesitzer, die eine gutsherrliche Polizei-gewalt hatten, und dem Westen mit den unter französischer Verwal-tung entstandenen Mairien ausgleichen. Im Osten überwiegendeAgrarwirtschaft und Vormacht des Adels, im Westen weit vor-gerückte Gewerbe, Industrie und Handel und damit eine starke Kraftder Bourgeoisie; dazu die konfessionellen Gegensätze. Fürwahr eineüberaus schwierige Aufgabe!
Die Veratungen der beiden Befürworter einer Verfassung undihres Stabes kosteten viel Zeit, dabei ging das Vertrauen zwischenHardenberg und Humboldt verloren, und ersterer büßte auch das
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