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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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seine Absicht den Gedanken an eine staatliche Einheit als Samen indie Seelen einzelner Geister trug, so war erst recht in Deutschland dasZiel, die Zersplitterung zwar zu mildern, aber durchaus nicht auf-zuheben. Er hatte den Fürsten, die er aufrechterhielt, neue Untertanengegeben, alte genommen. Sie mußten diese Elemente amalgamieren.Nach den Interessen der auswärtigen Politik hatte er ein DrittelDeutschlands seinem Kaiserreiche angeschlossen. In diesem kam dasWesen französischer Staatsverwaltung zum stärksten Ausdrucke.Im zweiten Drittel, den Nheinbundlanden, ahmten die Souveränedas französische System mehr oder minder nach. Am stärksten wohlin Baden und Bayern, am schwächsten im Königreich Sachsen undin Mecklenburg. Auch in dem letzten Drittel, Preußen und Österreich,wurden einige wenige Seiten der Staatsverwaltung nach franzö-sischem Vorbilde umgestaltet. Um eine Einheit zu verhindern, wollteNapoleon Äsp^^Lsr 1's8prit ÄlleniÄuä.

Zeitlich sind zwei Stufen des französischen Einflusses zu unter-scheiden. Die erste umfaßt das Jahrzehnt der, wenn auch verunstal-teten Prinzipien: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, der Ver-nichtung der alten Privilegien. In der zweiten hat der Kaiser inFrankreich eine von oben her alle Antriebe erhaltende autoritäreVerwaltung eingerichtet, dabei aber das allgemeine Stimmrechtbestehen lassen, nur es völlig entkräftet, und eine Verfassung ge-schaffen, die dieses System sicherte.

In den zuerst zu Frankreich geschlagenen Teilen Deutschlandserprobten noch die hehren Prinzipien ihre Zugkraft. Diese fandenvielfach Anklang. Der Widerstand der anfänglich durchaus über-wiegenden Mehrheit wurde überwunden durch die Segnungen einerwohlgeordneten Verwaltung, die unter vielen Härten doch den Wustvon nur geschichtlich verständlichen Rechten beseitigte und in ihrerTätigkeit von weiträumigen Gedanken ausgehen konnte. Der Histo-riker des Nheinlandes bucht die klare Gerichtsorganisation, die Ein-führung der Napoleonischen Gesetzbücher, den Straßen- und Wasser-bau als Fortschritte, auch trotz der Zurückdrängung der Selbstver-waltung die Stufenleiter der Präfekten, Unterpräfekten und Maires,die pflegliche Betreuung der Wirtschaft. Die Behandlung vonKirche und Schule verstimmte die Bevölkerung. Vor allem aber war

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