Druckschrift 
Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
Seite
267
Einzelbild herunterladen
 

neun Jahre später auf dem Wiener Kongresse verbessert ausgeführtwurde.

Norddeutschland, Kolland, Schweiz und Italien sollten von jedemfranzösischen Einflüsse befreit werden. Holland, die Schweiz undPreußen sollten vergrößert werden, wie auch das Königreich Sardi-nien. Das hieß zu dem alten englischen Programme Deckung der Nord-seeküste und Belgiens Deckung auch durch die Schweiz hinzufugen. Llndentgegen dem alten Systeme statt des österreichischen Nheinschutzesden durch die zweite deutsche Großmacht, durch Preußen. Gegenüberder damaligen, direkt vom Nheine zum Tollart verlaufenden fran-zösisch-holländischen Staatsgrenze sollte der Nhein nur von Baselbis höchstens Koblenz als solche dienen; dann die Grenze nach Westenbiegend längs der Mosel nach Flandern laufen. Früher ging dasenglische Interesse bis Mainz, nie bis Straßburg. Pitt hatte erkannt,daß diese Barriere nicht von dem Schutze weit entfernter Großmächteund ihren erst nach langen Märschen eintreffenden Truppen abhängendürfe. Er sah als erster die Notwendigkeit, Preußen zur Wacht amNheine dauernd zu verpflichten l

Preußen, das keinen Vismarck am Staatsruder hatte, hielt andem Gedanken des Baseler Friedens fest, daß seine Neutralität indem ausbrechenden Kriege die größere Sicherheit darböte. WirreTage der Llnentschlossenheit, der Verhandlungen, die sich schließlichals ein schwerer Fehler erwiesen. England, Nußland, Österreich undSchweden bildeten die dritte Koalition, die mit dem allerbestenfranzösischen Heere, das Napoleon je geführt hat, den Kriegaufnahm.

Die weitere Entwicklung verlief schnell. Die Tage von Alm (Okto-ber) und Austerlitz (Dezember 1805) brachen zu Lande die Kraft derKoalition, zur See vernichtete Nelson hingegen bei Trafalgar (Okto-ber) die letzte französische Hochseeflotte. Deutschland war völlig ge-spalten. Schon beim Beginne hatte der gewaltige Korse drei ein-geschüchterte, aber auch ländergierige und auf Österreich eifersüchtigeFürsten auf seiner Seite. Baden, Württemberg und Bayern brachendamit den Neichsfrieden, aber auch Osterreich hatte schon seineUnschuld gegenüber dem Neiche eingebüßt. Preußen schwankte. DerDurchmarsch Vernadottes durch das fränkische Gebiet, das nach dem

267