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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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gau, dem letzten Erbstatthalter der Niederlande wurde ein Terri-torium aus vier getrennten Flecken zusammengelegt. And an derGrenze der batavischen Republik wurden die Aremberg, Croy,Looz-Corswarem und Salm untergebracht. Die deutsche Karte warvereinfacht, und zwar auf Kosten der Katholiken. Die Säulen, dieeinst die zentrale Gewalt gestützt, waren fast restlos zusammen-gebrochen; denn selbst die Neichsritterschaft, die der Beschluß nochgeschont hatte, siel zum großen Teil der Ländergier der Fürstenzum Opfer. In Frankreich hatte das Volk allen Adel um seineMacht gebracht, im Neiche beraubte der Hochadel die Neichs-ntter und entzog dem katholischen Adel die Vischofstühle unddie Sitze in Domkapiteln. Die protestantisch gewordenen bliebenerhalten! Jede Rücksicht auf uraltes Necht, auf geschichtliche Über-lieferung, auf das Glaubensbekenntnis der Untertanen, auf ihreWünsche, auf wirtschaftliche Beziehungen wurde beiseite gesetzt.Menschenseelen wurden verhandelt. Es wäre zu scharf ausgedrückt,wenn man von einer bewußten Bereicherung des <^0rpii8 NvauAsli-«nrum auf Kosten des <^olM8 ^ÄtlKiliLoruiii reden wollte; dennauch Bayern und Österreich bereicherten sich um geistliche Territorien.

Franzosen, Vonaparte an der Spitze, und die deutsche Auf-klärung sahen diese geistlichen Territorien für verstandeswidrig an.Die meisten größeren Staaten hatten jetzt katholische Minderheiten.Österreich war völlig von seiner ältesten Position vom Nheinlaufeabgezogen.

Die Zukunft des alten Neichskörpers war dunkel. Hätte noch eineKaiserwahl stattgefunden, so wäre schwerlich noch ein katholischerHabsburger erkoren worden; denn nach Fortfall von Kurköln undKurtrier und der Einführung der neuen Kuren von Württemberg,Baden, Hessen-Kassel und Salzburg standen im Kurkollegium nurvier katholische gegen sechs protestantische Kurstimmen. Im Fürsten-rate hatten die Protestanten gleichfalls die Mehrheit, auf der Städte-bank saßen noch Vertreter von fünf evangelischen und einer pari-tätischen Reichsstadt. Der Kaiser suchte diese Umgestaltung im Neichs-fürstenrate zu verhindern und protestierte noch bei der Sanktion desganzen Werkes. Österreich hatte die Neichsstände, die ihm am sicher-sten waren, verloren.

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