auch königliche Prinzen, saßen namentlich an den Höfen der Kur-fürsten von Trier (Koblenz) und Mainz (Mainz, auch Worms), vonwo sie ihrem Vaterlande drohten. Es war eine große Unvorsichtigkeitdieser Kirchenfürsten, ein solches Treiben der Emigranten zu dulden.Der Adel, der an diesen geistlichen Höfen herrschte, hegte Sympathienfür den Klerus und die Standesgenossen, die sich dem Kampfe imeigenen Lande entzogen hatten, um von außen her eine Gegenbewegungzu erzeugen. Es ist eine alte Wahrheit, daß solche Emigranten leichtHoffnungen für Tatsachen nehmen. Es wurde damit für die macht-losesten deutschen Territorien eine Kriegsgefahr geschaffen.
Die mit Besitzungen an der Krisis unmittelbar beteiligten Fürstenwären zu allermeist mit einer Entschädigung zufrieden gewesen. Viergeistliche Fürsten brachten allerdings die Angelegenheit vor denReichstag. Kaiser Leopold II., der durchaus nicht an Krieg dachte,zögerte mit der Bestätigung des Neichsgutachtens, das auf eine Ver-wendung bei König Ludwig XVI. hinauslief. Dieser war schon poli-tisch viel zu machtlos, um die Vorstellungen seines Schwagers Leo-pold ernsthaft beachten zu können. Das hätte ihm in seiner schwierigenLage nur geschadet. Auf die Neutralität des Preußenkönigs rech-neten die Franzosen auch später noch.
Frankreich war nur durch die Emigranten bedroht, nicht durcheinige Worte des Kaisers, der einen Ausgleich wollte, nicht durch diePillnitzer Erklärung des Kaisers und des Preußenkönigs; denn ihrInhalt war auf unerfüllbare Bedingungen, auf die Einigkeit allereuropäischen Mächte gestellt. Die Emigranten deuteten das Aktenstückum, und das machte in Paris Eindruck. Die Verhandlungen warennicht erschöpft. Ein starkes französisches Königtum, eine gute Diplo-matie hätte mit Vorteil die Krisis überwunden. Man sah in Frank-reich in allem eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten desLandes, und das empfindliche, nun von der Demokratie getrageneNationalgefühl regte sich auf. In der eben gewählten Legislativehuldigten die Girondisten der Ansicht, daß ein Volk, das sich frei-mache, den Krieg brauche, um die Freiheit zu befestigen und hinaus-zutragen. Es war die innere Lage Frankreichs, die zum Kriege führte.Tet österreichische Staatskanzler Kaunitz glaubte, daß bei dem vonihm angenommenen Gleichgewichte der französischen Parteien er mit
253