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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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er aus. Seine lebensnahe Mutter hatte selbständige Lebenskräfte mitweicher Hand geleitet, der lebensfremde Sohn hielt es für geboten, siezu vernichten. Der katholischen Kirche nahm er ihre Stellung undmachte sie zu einer Staatskirche. Er wollte nach der Lehre der Physio-traten das Steuerwesen völlig auf eine Grundsteuer aufbauen. DieBauernbefreiung und das Toleranzedikt schufen dauernden Segen.Es ist sicher wahr, daß Josef die kulturelle Geltung der Teutschenauch über die Grenzen seiner Lande hinaus beträchtlich gehoben hat,aber die Einfuhrung der deutschen statt der lateinischen Sprache alsStaatssprache für das Königreich llngarn hat er als undurchführbarmit anderen Bestimmungen für dieses Reich auf dem Sterbebettezurückgenommen. Sein Vorgehen in Belgien, wo er die von ihmbeschworene Verfassung aufhob, führte zu einer vollen Revolution,zum Ausrufen einer belgischen Republik, deren Anerkennung durchNachbarmächte unmittelbar bevorstand. Nur Luxemburg war nochin österreichischer Gewalt. Das meiste, was er in seinen deutschenErblanden geschaffen hatte, behauptete sich. Österreich war ein Staatgeworden, in dem alles von oben her geregelt werden konnte, Polizei,Beamte, Generale waren die Träger des Staatslebens geworden,doch die Vereinigung der deutschösterreichischen Länder mit ilngarn,Belgien und der Lombardei hatte sich nicht durchführen lassen.

Mit Galizien und Lodomerien hatte Österreich auch am drittender drei östlichen Adelsreiche wenigstens einigen Anteil sich ge-wonnen. Da dürfen wir wohl Rückschau halten. 1526 hatten sichdie beiden Reiche Böhmen und Ungarn, mehr durch freie Wahlals infolge des Erbrechtes, an das Reich der Habsburger Ferdinan-bischer Linie angeschlossen. Die drei Adelsreiche hatten keine aus demVolksblute entstandene Städte, diese waren wesentlich deutschenWesens, politisch waren sie nicht stark tätig. Äberall war die Bauern-schaft in voller Abhängigkeit von Adel und Kirche, am stärkstenin Polen. Alle drei Reiche holten sich ihre Könige selten aus demeigenen Volke, doch gab es rühmliche Ausnahmen.

In Böhmen, das sich am stärksten der westeuropäischen Kulturerschlossen, hatte sich die politische Willkür des Adels in dem König-tume des Pfälzers überschlagen. Es behielt zwar seine wirtschaft-liche Überlegenheit, aber es wechselte in seinen führenden Schichten

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