diesem Maße bei keinem anderen Staate je vorgekommen. DieMitte Europas dominierte nicht mehr, vielmehr stand das Neichunter Kontrolle aller Nachbarmonarchien. Diese aber waren mitAusnahme der Vourbonen und der Savoyer in Händen von Fürstenursprünglich deutschen Vlutes. Diese trieben aber darum keine demdeutschen Neiche freundliche Politik.
Im Dreißigjährigen Kriege hatte Kardinal Richelieu den zen-tralen, von Norden her kommenden Stoß Gustav Adolfs durchdas Vorrücken an und über den Nhein von der Flanke aus ge-hemmt und damit katholische Landesherren gerettet. Schweden be-quemte sich Frankreich, das ihm Geldmittel lieferte, an.
Die Politik Nichelieus war eine äußerst vorsichtige gewesen, siehatte die Kunst der Diplomatie der Gewalt vorgezogen. Weil erden Wert der französischen Machtmittel noch für zu gering anschlug,strebte er das Erreichbare durch die sanftesten Mittel zu gewinnen.Derweilen er Frankreich ein brauchbares Heer und eine Flotte schuf,begnügte er sich mit Pfandschaften, vorläufigen Besetzungen, mitVerträgen mit deutschen Fürsten und Subsidien. Er erklärte, längstim Kampfe gegen die Habsburger stehend, erst den Spaniern denKrieg, aber nie dem deutschen Neiche. Richelieu hatte eine franzosen-freundliche Partei im Neiche geschaffen. Mazarin nährte sie weiterund ließ sich mehr und mehr von Machtgedanken leiten. Wenn derMainzer Kurfürst Ioh. Philipp von Schönborn den Versuch machte,eine vom Kaiser unabhängige Neichspartei zu bilden, den Anschlußdes Kaisers an seinen spanischen Vetter in dem Kriege gegen Frank-reich zu verhindern und sich dabei an die Garantiemächte anzu-lehnen, so saß der Fehler dieser Berechnung nicht in dem Herzen,sondern im Kopfe des Neichserzkanzlers. Wo er die Balance zwi-schen Österreich und Frankreich zu sichern meinte, fand er in Lud-wig XIV. einen ehrgeizigen Herrn. Der Nheinische Bund von1658 schlief in dem Tevolutionskriege (1667—1668) ein. Es folgteder erste Koalitionskrieg (1672—^1678), der Holland dauernd vomFreunde in einen Gegner Frankreichs umwandelte. Neben belgischenGrenzplätzen verlor Spanien im Frieden von Nymwegen auch dieFranche Comts. Das Herzogtum Lothringen blieb von Franzosenbesetzt.
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