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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Neichsfeldmarschall. Im Siebenjährigen Kriege war der PrinzKarl von Lothringen der katholische, der evangelische Ludwig Ernstvon Vraunschweig-Wolfenbüttel, zugleich kaiserlicher und hollän-discher Feldmarschall, blieb in den Niederlanden! In der Schlachtvon Noßbach wurde das Neichsheer von einem Neichsfeldzeug-meister (Herzog Joseph von Sachsen-Hildburghausen) geführt. 1767gab es drei Marschälle (1 kath.), 3 Feldzeugmeister (2 kath.) und3 Feldmarschalleutnants (2 kath.). Moser sagte: „Man kann auchNeichsfeldmarschall werden, ohne eine Kampagne getan zu haben...Mancher Neichsgeneral kommt auch in Kriegszeiten oft in langerZeit oder gar sein Lebtag nie zur Neichsarmee."

Beschäftigung und Besoldung hatten in Friedenszeiten nur dieKommandanten der Neichsfestungen Philippsburg und Kehl, dieaber dem Verfalle preisgegeben waren. Man kann also auch da-mals (l8.Iahrhundert) nicht von einem stehenden Neichsheere reden.Auch konnte der Kaiser allein es nicht einberufen, das ward erst durcheinen auf Kriegserklärung gehenden Neichsschluß möglich. Erstwenn die Truppen auf Kaiser und Neich vereidigt waren, entstanddie Neichsarmee.

Auch die beste Kreisarmee, als die vielleicht die schwäbische an-gesehen werden darf, lockt den Spott hervor. Die Mannschaftenwaren oft übel ausgewählt. Wenn ein Neichsstand eine einzige Leut-nantsstelle zu vergeben hatte, fehlte diesem jede Aussicht auf Avance-ment. Ein von der Stadt Augsburg ernannter Offizier erreichte69 Dienstjahre! Die Kontingentsherren zogen wohl ihre Mann-schaften zum Wachtdienst in ihrer Residenz heran, allenfalls wurdendann ein paar Patronen verknallt. Nun kommt der Krieg, dasNegiment versammelt sich — verschiedene Waffen, Sold je vomKontingentsherren, Verpflegung bestenfalls verpachtet. Man brachtedie Pferde zusammen und holte die Geschütze aus den Schuppen,alte und uralte Stücke, und nun begannen die Übungen im Bataillon.Tradition, Selbstbewußtsein und EhrgeWl konnten da kaum er-blühen.

Erheblich besser stand es um die fürstlichen stehenden Truppen,aber auch da gab es große Unterschiede. Soldatenspielerei war fürmanchen Fürsten ein Zeitvertreib. Andere begriffen den hohen Ernst

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