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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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Das Ergebnis zusammenfassend darf man Hermann Aubin folgendsagen: Die Ausdehnung der Neichsgrenze fiel nicht genau mit der derKulturgrenze zusammen. Von Karl dem Großen bis zum Investitur-streite wurde jene von den Kaisern und Königen vorgetragen oderverteidigt. Mehr und mehr ging diese Aufgabe an die deutschenGrenzfürsten über, deren Neuerwerbungen dem Neiche zufielen, wieauch die slawischen Grenzfürsten (Mecklenburg, Pommern undSchlesien) zu Neichsfürsten wurden. Die Großdynastien Luxem-burg und Sabsburg dachten gerade für den Osten mehr dynastischals reichisch. Die selbständigen Körper deutscher Führung in Preußenund den baltischen Landen, so deutsch sie dachten, gliederten sich demNeiche nicht energisch genug ein. llnd das Neich drang nicht darauf.Die Eingliederung von nichtdeutschen Tvnastiegebieten hing von derpersönlichen Zuverlässigkeit der abhängigen Fürsten, von derSchnelligkeit der Aufnahme abendländischer Kultur und von derkirchlichen Organisation ab. Dort wo, wie bei den Magyaren, Kul-turübernahme und Staatsformung Hand in Hand gingen, war dieAbgrenzung des Einflusses des neuen Staates und des Neiches inkurzer Frist erreicht. Böhmen und Mähren wurden trotz der slawischenDynastie dem Neiche gewonnen, nicht ohne Einfluß der Zugehörigkeitzum Erzbistume Mainz. Polen aber, das zerspalten war, gab Schle-sien an Böhmen und damit an das Neich ab.

Jede Kulturspende von großem umfange, die einem fremdenVolke zuteil wird, das aber die eigene Sprache nicht aufgibt, verleihtdiesen Kulturempfängern, wenn auch vielleicht langsam, erheblicheKräfte und gefährdet damit die Stellung der Nachkommen derSpender. Das zeigt sich heute in der weiten Welt.

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