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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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leiten, die noch unter Barbarossa vorhanden waren, den deutschenGesamtstaat zu kräftigen und dessen Verfall zu verhindern.

Vei dem Sturze Heinrichs des Löwen kam die Herzogsgewalt inBayern an die Wittelsbacher, im südlichen Westfalen an den Erz-bischof von Köln. Der größere Rest ward den Askaniern gegeben.Doch trat ihre Macht westlich der Weser bald zugunsten der Bischöfevon Münster zurück. Auf dem rechten Weserufer erreichten die Welsen,deren Allodien Kaiser Friedrich II. zum Titularherzogtume Braun-schweig erhoben hatte, erhebliche Macht. Hätte sich der Prozeß gegenden Löwen ein Jahrhundert später in Frankreich abgespielt, so hättedie auf die Formel „Alles oder Nichts" gestellte Politik des genialenWelsen mit dem „Nichts" geendet. Der Streit der Staufer und Wel-sen schloß damit, daß die beiden welfischen Herzogtümer zerschlagenund ihnen entzogen wurden. Das letzte Herzogtum Schwaben, das denStaufern vorbehalten war, ging mit ihrem Zusammenbruche unter.Am 1270 gab es kein Herzogtum mehr, das noch einen Stamm inseiner Gesamtheit umschloß. Das wirkt bis heute fort. Die Königehatten oft schwere Kämpfe mit ihren Herzögen zu führen, von denengar mancher abgesetzt wurde.

Die Einschränkung der Herzogtümer gab die ihnen untergeord-neten Grafen frei. Dies kam der Einheit nicht zugute, denn nunwurden sie reichsunmittelbar. Die Zersplitterung in halb selbständigeGewalten war nur vergrößert.

Otto der Große bildete zwei zentralistisch wirkende Gegengewichtegegenüber den Herzogtümern aus. Die Pfalzgrafen hatten örtliche,übrigens heute nicht ganz klar mehr ersichtliche Befugnisse. Aberauch diese ganz besonderen Diener des Königs wurden erblich, Lehens-leute und Territorialherren, die mächtigsten wurden die von Lothringen(Pfalzgrafen bei Nhein), minder bedeutsam waren die von Bayern(Wittelsbacher), Sachsen und Schwaben.

Das andere, länger und kräftiger wirkende Mittel gab dem deut-schen ein von den anderen Neichen abweichendes Gepräge. Dieweltlichen Amtsträger strebten naturgemäß danach, ihre Amtsgewaltin ihrem Blute zu vererben. Das denaturiert die staatlichen Ämter,wandelt sie in erbliche Lehen und Territorialgewalten um, mit Inter-essen, die nicht mehr ausschließlich von der Krone bestimmt werden.

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