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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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tum, hatte das bayrische und das sächsische die tiefsten Wurzeln. BeiBayern kann man zu Anfang fast von einem Anterkönigtume reden.Seine Organisation war noch lange die straffste. Otto der Große,der eine starke Macht des Zentrums erstrebte, glaubte alle Herzog-tümer völlig unter seinen Einfluß zu bringen, wenn er die Herzogs-gewalt, die er als Veamtungen ansah und zu solchen machte, mitnahen Verwandten besetzte. Die schwersten Aufstände gaben ihmdie Antwort. Er erhob den zuverlässigsten Bruder, den ErzbischofBruno von Köln, zum Herzoge von Lothringen, obwohl dasSchwert schlecht zu seinem kirchlichen Stande paßte. Dieses Sy-stem, die Herzogtümer durch dynastische Apanagierung ungefähr-lich zu machen, ist auch später befolgt worden, und wieder nichtimmer mit Erfolg. Auch setzte man wohl landfremde Männer alsHerzöge ein.

War es nicht das Klügste, die Herzogtümer zu beseitigen? DasHerzogtum hatte als ältere Gewalt tiefe Wurzeln im Volke, eswar volkstümlich. Die ottonischen Herrscher faßten es als Amtauf, doch auch dieses unterliegt der Nichtung zur Erblichkeit. DieTreue der Herzoge war die Grundlage für die Stärke des Staates.Otto I. zog das Herzogtum Franken ein und ließ es unbesetzt.Wenn im 12. Jahrhundert das dem Bischöfe von Würzburg zu-stehende Herzogtum Ostfranken entstand, so beruht diese jüngereund andersartige Bildung auf der Tatsache, daß er sämtliche Graf-schaften seines Sprengels in seiner Hand hielt. Auch Sachsen nahmOtto der Große in eigene Verwaltung, doch bildete sich danndort das Grenzherzogtum der Villunger aus, dem anderthalb Jahr-hunderte später Herzog Lothar (der spätere Kaiser) eine wesent-lich erhöhte und räumlich ausgedehnte Kraft gab. Llnter Brunowurde Lothringen 959 gespalten. Während Niederlothringen denvollen Schwund der Herzogsgewalt erlebte (Nest Herz. Vrabant),blieb das sich annähernd mit dem Metropolitanbezirke von Trierdeckende Oberlothringen geschlossener und erbte sich in demselbenHause von 1047 bis 1738 fort. Das Herzogtum Bayern wurdewiederholt verkleinert, abgetrennt wurden 976 Kärnten, 1156 dieOstmark (Osterreich) und 1180 die Steiermark. Die letzte Ampu-tation betraf Sachsen.

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