trieb und eine starke, immer und überall vom Hofe geleitete Ver-waltung und Politik damals unmöglich machte. Immerhin hatH einrich I. erreicht , daß die ursprünglich ziemlich freien Herzöge ihreHerzogtümer vom Könige zu Lehen nahmen. In Frankreich wuchsenaus eigener Wurzel solche Herzogtümer kaum hervor. Dort wirktedie römische Staatstradition nach. So waren die beiden Neiche,die entstanden, von vornherein wesensverschieden. Dualismus inDeutschland, Monismus in Frankreich.
Die Anerkennung der Herzogtümer war eine schwere, auch nievöllig abgetragene Hypothek auf das Neich. Aber im Gegensatzezu diesem Partikularismus war der Sieg des Wahlrechtes ein Ge-winn; denn glattes Erbrecht und Teilung, Wahlrecht und Einheitdes Staates stehen in der deutschen Entwicklung lange Jahrhundertehindurch zusammen.
König Heinrich dehnte das Neich aus, in entscheidenderRichtung. Vei dem Erwerbe des nördlichen Teiles des Mittel-reiches, dem Lotharingiens, kamen drei günstige ilmstände zusammen.1. Die Gefangenschaft des karlingischen Königs von Frankreich, Herrnin Lotharingien, in Händen französischer Großer. 2. Die Berechnungdes in Lotharingien mächtigsten Fürsten Giselher, daß er wohl imVerbände des deutschen Reiches, nicht aber in dem Frankreichseine Herzogsgewalt über Lotharingien gewinnen könne. 3. Die Stel-lung der drei rheinischen Erzbischöfe, besonders der von Köln undTrier, deren Metropolitanbezirke sich bis dahin auf zwei Neiche er-streckt hatten. Sie gehörten fortan nur einem Neiche an. Zwar bliebdas Vistum Cambrai dem Neimser Erzbischöfe unterstellt, dessenengerer Sprengel übrigens auch ins deutsche Neich übergriff, dochim wesentlichen waren die Neichskirchenverbände des französischenund deutschen Neiches sorgfältig getrennt.
Im Osten begann sich Böhmen an das Neich anzugliedern. Eswar, wenn auch Neste der alten germanischen Bewohner übrig gebliebensein mochten, damals ein slawisches zersplittertes Staatengebilde.
Durch diese beiden Erwerbungen wurde die üble Wespentaille desNeiches zwischen den westlich von Mainz-Worms liegenden Bergenund Eger wesentlich verbreitert. Die Gefahr einer Trennung vonNord- und Süddeutschland wurde gemildert, der Nhein wurde zur
19
'WMNLW