Von den Teilungen hatte die von Verdun (843) die stärkste Nach»Wirkung. In dem bald umgestoßenen Teilungsplane von 817 hatteLudwig der Fromme die Oberherrlichkeit des ältesten, zum Kaiser-tum bestimmten Sohnes über die anderen Teile ausdrücklich gewahrt.In Verdun schufen die Vrüder drei von Norden nach Süden sicherstreckende Teilreiche. Dem ältesten von ihnen, dem Kaiser Lothar I.verblieben die Hauptstädte des Neiches, Aachen und Nom. Der über-lange Streifen von der Wesermündung bis südlich Nom war imBreitengrade von Basel am stärksten eingeengt. Vielleicht hattendie anderen siegreichen Vrüder sich das militärischer Vorteile halberausbedungen. Jedenfalls zerbrach das Teilreich schon bald an dieserStelle. Das nördliche Gebiet: Lotharingien, Burgund und Italiengingen drei gesonderte Wege. Im Westreiche überwogen ebensodie Nomanen, die zukünftigen Franzosen, wie im Ostreiche dieTeutschen. Es wurde auch das Ostreich noch einmal geteilt.
Die Westgrenze war eine durch alte Verwaltungsbezirke scharfgebildete Vinnengrenze. Die Ostgrenze ein breiter Grenzraum auferobertem Voden, zu innerst das von Karl begründete, im Westenfehlende Markensystem, dann sich nach außen hin abschattende Nechte,die sich endlich verlieren.
In diesem, Neiche lebten die alten Stammesgewalten wieder auf,weil das Königtum erlahmt war. Die Not erzeugte eine neue boden-ständige Führerschicht in den Herzögen, die alte Stammeserinnerungenaufnahmen. So populär sie waren, versuchten sie jedoch nicht geradezuden Staatsverband zu sprengen. Noch hielt der hohe Klerus andessen zentralistischem Wesen fest. König Konrad I. (911—918), dernach dem Aussterben des deutschen Zweiges der Karlingen mit Nück-sicht auf seine Verwandtschaft mit ihnen erwählt worden war,stützte sich in seinem Gegensatze zu den neuen Gewalthabern auf dieBischöfe. In der Erkenntnis, daß dieses System nicht mehr durch-geführt werden könne, designierte er den Sachsenherzog zu seinemNachfolger.
Die Herrschaft der Karlingen hatte im Ostreich ihr Ende gefunden.
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