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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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erst recht kaum verständlich. Wenn wir die heutige Staatenweltüberschauen, so haben wir im Westen und in Skandinavien Einheits-staaten mit meist wenig getrübter nationaler Gleichheit. Die Neu-bildungen im Osten fassen zumeist mehrere Völker zusammen(vorab Jugoslawien, Tschechoslowakei, auch Polen), NußlandsEinheitsstaat wurde durch einen stark zentralisierten Bund vonSowjetrepubliken ersetzt. In dem Bereiche des einstigen altendeutschen Neiches ist aber noch heute die Doppelung staatlicherOrganisation, der Aufbau in zwei Stockwerken erhalten: in derSchweiz blieben der Vundesstaat und die Kantone — nur dieNiederlande haben diese Konstruktion 1814 definitiv verlassen—,inOsterreich stehen Vundesstaat und Länder nebeneinander und ebensoim Deutschen Neiche nach der Weimarer Verfassung. Das vielgeteilteuntere Stockwerk hat überall an Bedeutung verloren, aber die Ver-gangenheit lebt doch noch fort, ohne verhaßt zu sein. Erwägungendes Verstandes, realpolitische Gedanken, die Erkenntnis, daß inunserer Lage die Sammlung der Kräfte lebensnotwendig sei, habengerade eben dem oberen Stockwerke, dem Neiche, größere Machtgegenüber dem unteren, den Ländern, zugewiesen. Diese sind macht-loser geworden. Eine neue Epoche unserer Staatsgeschichte ist an-gebrochen.

Wer die Dynamik einer komplizierten, immer wieder umgestal-teten Großmaschinerie zu behandeln sich anschickt, kann nicht ihreganze Wirksamkeit durch das Jahrtausend verfolgen, er muß sichauf die Beschreibung ihrer ursprünglichen Gestalt und der um-bauten einschränken, der erfolgten und versäumten, und damit sichbesonders den Krisen zuwenden. Damit verzichtet dieses Vuch fastganz auf die höchsten Neize unserer Vergangenheit. Sie liegen inden heldenhaften Taten großer Kaiser und Könige und in dem,. was das deutsche Volk in geistiger Kultur und in mühseliger wirt-schaftlicher Arbeit schuf. Auch den politischen Theorien, denen desMittelalters, die in hohen Negionen schwebend sich nur selten mitpraktischen Problemen beschäftigten, denen der Neuzeit, die eineinternationale Geltung erstrebten oder erreichten, habe ich keinenbreiteren Naum gewährt. Durch diese Einschränkungen wird herbei-geführt, daß die Schatten stärker als die Lichtseiten unserer Ver-