Der Perfonaltredit des lündl. Kleingrundbesitzes in der Provinz Ostpreußen. 455
auszuführen. Sind diese Fortschritte klar ersichtlich, sind Bürgen und derDarlehn gebende Verein von der Tüchtigkeit des Mannes durch den Standder Wirtschaft überzeugt, so liegt gar kein Grund vor, den Mann zurAbzahlung zu drängen. Im Gegenteil wird man ihm noch weitere Dar-lehne gewähren, bis er die Wirtschaft vollständig in Zug gebracht hat unddann die Abzahlung der Schuld vornehmen kann. Solche Fälle, in denendann die Abzahlung der jahrelang gesteigerten Schuld wirklich durchgeführtwurde, sind ebenfalls oft nachzuweisen. Es kommt auch oft vor, daß derPersonalkredit in Anspruch genommen wird für Verwendungszwecke, fürwelche theoretifch der Realkredit benutzt weiden sollte und könnte. Hierhandelt es sich meistens um im ganzen gut situierte Wirte, welche dieWirtschaft erst auf eine gewisse Höhe bringen und dann durch eine neueTaxe eine feste Beleihung herbeiführen wollen. Zum Schluß feien nochdie Zahlen zusammengestellt, welche die Beteiligung der Landwirtschaft amGenossenschaftswesen überhaupt veranschaulichen.
Es sind als Genossen bei einzelnen Genossenschaften in der Provinzbeteiligt:
1. Bei den Vorschußvereinen .......... 17 087
2. Bei den ermländischen Tarlehnskassen ....... 5 503
3. Bei den landwirtschaftlichen Konsumvereinen.....1226
4. Bei den Molkereigenossenschaften ........ 825
5. Bei anderen eingetragenen Genossenschaften ..... 210
im ganzen 24851
Diese Beteiligung kann man noch nicht als eine genügende bezeichnen,sie ist aber immerhin eine große im Vergleich zu anderen Provinzen, undist die Zahl an und sür sich die höchste für die Teilnahme der Landwirtean Vereinen oder Organisationen in unferer Provinz überhaupt.
Es muß ausdrücklich erwähnt werden, daß diefe Kreditverhältnisse zurZeit im allgemeinen außerordentlich günstige sind und daß augenblicklichalle Kassen an Geldüberfluß leiden.
Das Zurückgehen des Zinsfußes macht sich in weitesten Kreisen nurlangsam geltend, selbstredend kann dieser Rückgang nicht Schritt haltenmit dem jemaligen Zinsfuß der Reichsbank, da es langer Zeit bedarf, umteure Gelder zu kündigen und billigeres Geld anzufchaffen. Augenblicklichvollzieht sich langsam aber sicher ein Herabgehen des Zinsfußes für alleDarlehne, welche kontrahiert werden. Bleibt der Stand des Geldmarkteswie augenblicklich, fo ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sich in diesemund im nächsten Jahre weitgehende Herabsetzungen des Zinsfußes im Per-