Der Personalkredit des ländlichen Kleingrundbesitzes in der Provinz Posen, 409
noch nicht möglich war, zumal die Indolenz der niederen polnischen Be-völkerung hierbei meist recht erschwerend wirkt.
Ganz besonders aber wirkt immer noch die zum Teil aus früherenJahrzehnten herstammende Verschuldung des bäuerlichen Grundbesitzes unddie in den letzten Jahren sortwirkende landwirtschaftliche Krisis hindernddarauf ein, daß die ländliche Bevölkerung ihren Personalkredit in produktivwirkender Weise sich nutzbar macht.
Die in manchen Gegenden recht beträchtlichen Renten nnd sonstigenLasten, welche in Abteilung II des Grundbuchs eingetragen sind, die außer-dem oft unverhaltnismäßigen Hypothetenfchulden, Kindergelder u. dergl.und nicht zum mindesten die auf bäuerlichen Grundstücken eingetragenenLeibgedinge, von welchen oft zwei, auch drei in beträchtlicher Höhe auf denGrundstücken ruhen, erreichen in ihrem Gefamtwerte in fehr vielen Fallenden Wert des Besitztums, wenn sie ihn nicht gar übersteigen.
Nimmt man dazu die landwirtfchaftlichcn Mißerfolge der letzten Jahre,so kann man Wohl fagen, daß der größere Teil der ländlichen Grundbesitzerseit Jahren wirtschaftlich nur noch ein Scheinleben führt, welches selbst beisonstiger Tüchtigkeit des Besitzers sehr oft die Inanspruchnahme von Not-tredit erforderlich macht, um rückständige Schuldenzinscn zu decken oderWirtschaftliche Unfälle zu befeitigen.
Darlehnsaufnahmen zum Zwecke der Versorgung und Ausstattung vonFamilienangehörigen kommen öfter und zumeist dann vor, wenn auf demGrundstück für diefe Zwecke Kinder-(Mündel-)Oelder eingetragen sind, welchefällig geworden sind infolge eingetretener Großjährigkeit der Kinder.
Das Versicherungswesen, insbesondere die Versicherung gegen Feuer-und Hagelschaden, sowie gegen Viehverlust findet zwar im allgemeinen inder Provinz Posen immer weitere Verbreitung, doch wird von derselben —abgesehen von der Feuerversicherung — seitens der bäuerlichen Land-bevölkerung noch ungenügend Gebrauch gemacht. Der Grund hierfür wirdweniger in dem geringem Verständnis, als in der schlechten wirtschaftlichenLage der ländlichen Klcingrundbesitzer zu suchen sein.
Die vielfachen Anregungen der BeHürden und Kafsenverwaltungen be-gegnen unter den bäuerlichen Besitzern sehr häufig der Erwiderung, daßletztere nicht wüßten, wie sie die Abgaben und Zinsen ihrer Schulden auf-bringen sollten und deshalb lieber auf gutes Glück vertrauen müßten, alssich neue Ausgaben zuzumuten, wenn sie auch die Notwendigkeit der Ver-sicherung einsähen.
In dieser Beziehung wirken die Darlehnsinstitute, insbesondere dieProvinzilllhilfskasse, die Kreisspar- und städtischen Sparkassen, sowie ein