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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
369
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Der Personalkredii des Kleingrundbesitzes in Hinterpommern. 369

aufhört oder wesentlich vermindert ist, wo Ablösungen der Naturallieserungan Pfarre und Schule, erhöhte Steuern, erhöhte Bailöhne an Arbeiter undGesinde «. einen weit größeren Geldumlauf bedingen, genügen jene Ein-richtungen nicht mehr. Es bedarf eines einfacheren, dem Interessentenräumlich naheliegenden, seine persönlichen Eigenschaften und Bedürfnisse berück-sichtigenden Institutes, welches in der Lage ist, den mit der sortfchreitendenwirtschaftlichen Entwicklung untrennbar verbundenen Kontoiorrentgeldverkehrauszubauen. Das kann, wie naher auszuführen zu weit führen würde,am besten durch kleine lokale, in genossenschaftlicher Form zu organisierendeSpar- und Darlehnsvereinigungen geschehen, welche ihrerseits Anlehnungan eine gemeinsame Geldausgleichstelle zu suchen haben, und zu solcher, umdie provinziellen Eigentümlichkeiten festhalten und sich der provinziell vor-gesehenen korporativen Organisation des landwirtschaftlichen Gewerbes ein-fügen zu können, provinziell zu vereinigen find.

Als wir anfingen, uns mit Regelung des Perfonalkredits und Geld-Verkehrs der Bauern zu beschäftigen, glaubten wir, daß das Bedürfnishier nicht fo groß fei. Wir sind aber während der Arbeit von dem starkenAndrang überrascht worden. Zuerst zeigte es sich in den Gegenden derZuckerrübenkultur es war uns das auch ganz verständlich, nun abersprang es auch in Gegenden über, wo man vor 610 Jahren noch mitdergleichen Bemühungen einfach ausgelacht worden wäre.

Leider glaube ich dies nicht nur dem Bedarf intensiverer Wirtschaftund der Erkenntnis von der Notwendigkeit rationelleren Geldverkehrs, fowiedem wachsenden Verständnis für das Genoffenschaftswefen zuzuschreiben, sondernes machen sich die schlechten Erwerbsverhältnisse der Landwirte bei unserembis dahin im allgemeinen zwar nicht reichen, aber in soliden Verhält-nissen befindlich gewesenen Bauernstand immer stärker geltend; die Verstärkungder Einlagen in die Sparkassen ist in der Hauptsache auf Gesinde- undArbeitcrrücklllgen zu schieben.

Es sei noch erwähnt, daß durch die ziemlich ausgebreiteten landwirt-fchaftlichcn Ein- und Verkaufs-(Konfum-)Vereine dem Bauern Gelegenheitgegeben ist, seine Bedarfsartikel gegen Stundung des Betrages zu erhalten.Wenn auch konstatiert werden muß, daß der Bauer prompter zahlt, alsder Großbesitzer, so wird doch dieser Warenkredit auch von den Bauern innennenswertem Umfange in Anspruch genommen.

Im allgemeinen ist hier der Bauer abhängiger vom kleinen Händlerals man anzunehmen pflegt; bei der großen Verschlossenheit seines Charaktershält er aber seine Verhältnisse sehr geheim.

Schriften d, V, f, 2«cilllp°l, Personalliedit, II, 24